Ein polnischer Talentscout mit Meistertitel im Gepäck – Hajduk Split setzt auf einen Mann, der aus wenig viel macht.
Robert Graf wird neuer Sportdirektor von Hajduk Split. Die Einigung zwischen dem polnischen Fachmann und dem Traditionsclub aus Split ist erzielt, Graf hat das Angebot angenommen. Derzeit wartet man in Split darauf, dass er die Auflösung seines laufenden Vertrags mit seinem bisherigen Arbeitgeber formell abwickelt – ein Prozess, den man bei Hajduk bis Ende kommender Woche abgeschlossen sehen möchte.
Danach soll der Vertrag unterzeichnet werden und Graf offiziell in seine neue Funktion eintreten. Auch wenn im Fußball grundsätzlich nichts als gesichert gilt, solange keine Unterschrift unter dem Papier steht, rechnet man intern nicht mit Komplikationen, die die Vereinbarung noch gefährden könnten. Graf ist ohnehin bereits aktiv: Inoffiziell hat er seine Arbeit längst aufgenommen, führt Gespräche mit zentralen Personen im Club und widmet sich als erstem Schritt der Analyse des aktuellen Kaders.
Dass Graf und Hajduk zusammenfinden, war nicht das erste Mal ein Thema. Bereits im September 2024 zählte der Pole zu den Hauptkandidaten für den Posten des Sportdirektors, als dieser letztlich an Francois Vitali ging. Auch damals signalisierte Graf grundsätzliche Bereitschaft, nach Split zu wechseln – doch eine Einigung scheiterte seinerzeit vor allem an seinem noch laufenden Vertrag mit Rakow Czestochowa.
Mit Grafs Verpflichtung bekommt Hajduk nun seinen vierten Sportdirektor unter Präsident Ivan Bilic. Vor ihm bekleideten Nikola Kalinic, Francois Vitali und Goran Vucevic diese Funktion.
Grafs Karriereweg
Robert Graf ist 45 Jahre alt und Pole. Eine professionelle Spielerkarriere absolvierte er nie – stattdessen schlug er von Beginn an den Weg in die organisatorische und trainerische Richtung ein. Seinen Ruf erarbeitete er sich vor allem durch die Förderung junger Talente, den Aufbau von Nachwuchsstrukturen und die Fähigkeit, durch gezielte Transfers Marktwert zu generieren.
Die ersten Stationen seiner Karriere führten ihn nach Wroclaw, wo er bei Slask Wroclaw mit jüngeren Altersklassen arbeitete und anschließend im regionalen Fußballverband tätig war. Ein prägender Abschnitt folgte bei Lechia Gdansk, wo er als Akademie-Manager maßgeblich am Aufbau der Nachwuchsstruktur und der Weiterentwicklung junger Spieler beteiligt war.
Erfolge & Transferkompetenz
Seine erste ernsthafte Direktorenposition übernahm Graf 2018 bei Olimpia Grudziadz – und lieferte sofort: Mit dem Club gelang der Aufstieg in die nächsthöhere Liga, und das gegen finanziell deutlich besser ausgestattete Konkurrenten. Den entscheidenden Karrieresprung machte er ab 2019 bei Warta Poznan, wo er eine Mannschaft mit klarer Spielidee und konsequentem Entwicklungsfokus formte.
Bereits 2020 kehrte Warta Poznan nach 25 Jahren in die polnische Ekstraklasa zurück, in der darauffolgenden Saison schloss der Club auf dem beachtlichen fünften Rang ab. Diese Leistungen öffneten ihm die Tür zu Rakow Czestochowa, wo er an der erfolgreichsten Phase der Clubgeschichte mitwirkte: In der Saison 2022/23 holte Rakow Czestochowa die polnische Meisterschaft sowie Pokal und Supercup.
Exemplarisch für Grafs Transferkompetenz steht die Verpflichtung des kroatischen Stürmers Ante Crnac für 1,5 Millionen Euro – eineinhalb Jahre später wechselte dieser für 11 Millionen Euro zu Norwich City. Nach seinem Abgang von Rakow Czestochowa übernahm Graf die Funktion des Vizepräsidenten für Sport bei LKS Lodz – und genau von diesem Club soll er nun den Sprung zu Hajduk Split vollziehen.
Hajduk suchte explizit einen Sportdirektor mit Erfahrung im Arbeiten unter budgetären Einschränkungen, der junge Spieler entwickeln und durch Transfers Mehrwert schaffen kann.
Grafs gesamter bisheriger Werdegang ist geprägt von genau diesem Ansatz: Entdecken, entwickeln, verkaufen.