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Schulstreit

Schule plante Klassen nach Religion – Behörde greift ein

Schule plante Klassen nach Religion – Behörde greift ein
(Symbolbild FOTO: iStock)
3 Min. Lesezeit |

Eine Salzburger Volksschule plante Klassen nach Religionszugehörigkeit – bis die Bildungsdirektion einschritt.

An einer Volksschule im Salzburger Stadtteil Liefering sorgt ein ungewöhnlicher Organisationsplan für Aufsehen: Die Schule wollte ihre drei ersten Klassen im kommenden Herbst nach der Religionszugehörigkeit der Kinder aufteilen – darunter auch eine Klasse, die ausschließlich aus katholischen Schülerinnen und Schülern bestehen sollte.

Bildungsdirektor Rudolf Mair hat diesem Vorhaben eine klare Absage erteilt. Er hat die Schuldirektorin zu einem Gespräch eingeladen und bereits angewiesen, dass eine Klasseneinteilung nach religiösem Bekenntnis nicht stattfinden werde. Zwar liege die Entscheidung über die Klassenzusammensetzung grundsätzlich bei der Schulleitung, erklärte Mair – allerdings nur im Rahmen des geltenden Schulrechts. Sobald ethische Grundsätze nicht eingehalten würden, sehe er sich veranlasst einzugreifen. Religion dürfe nicht als etwas Trennendes oder Fremdes behandelt werden, betonte der Bildungsdirektor.

Direktorins Begründung

Die Direktorin der betroffenen Volksschule begründete ihr Konzept mit einem praktischen Problem: Sinke die Zahl der getauften katholischen Kinder unter einen bestimmten Schwellenwert, reduziere sich der Religionsunterricht auf lediglich eine Stunde pro Woche – zu wenig, um etwa die Vorbereitung auf die Erstkommunion angemessen zu gestalten. Darüber hinaus habe sie sicherstellen wollen, dass auch Kinder islamischen oder orthodoxen Glaubens den Religionsunterricht am Vormittag besuchen können, um Abmeldungen zu verhindern, die entstehen, wenn konfessioneller Unterricht für Andersgläubige in den Nachmittag verlegt wird. Ihr Ziel sei es gewesen, durch homogene Klassenverbände in drei Konfessionen jeweils zwei Wochenstunden Religionsunterricht zu ermöglichen – nicht um zu diskriminieren, sondern um den interreligiösen Dialog zu stärken.

Aus der Elternschaft war Kritik laut geworden, das Modell würde faktisch auf „Ausländerklassen“ und eine „Österreichklasse“ hinauslaufen. Die Direktorin wies diese Einschätzung entschieden zurück: In der Klasse, die mehrheitlich muslimische Kinder besuchen sollten, hätten 17 von 21 Schülerinnen und Schülern die österreichische Staatsbürgerschaft und sprächen fließend Deutsch. Schulen mit einem noch höheren Anteil an Kindern anderer oder keiner Konfession verfügten zudem über bessere Ressourcen, um mit einer solchen Situation umzugehen. Offen ließ die Direktorin, wie mit jenen Klassen umzugehen sei, in denen die Hälfte der Kinder keinen Religionsunterricht besucht – zumal es an Lehrpersonen für die notwendige Beaufsichtigung fehle.

Schule im Wachstum

Die Volksschule Liefering I in Salzburg-Liefering verzeichnet seit der Einführung einer schulischen Nachmittagsbetreuung – eine Initiative der Direktorin selbst – steigende Schülerzahlen. Für den Herbst wird ein Anwachsen von derzeit 204 auf rund 220 Kinder erwartet. Neben den drei ersten Klassen existieren an der Schule auch eine Vorschulklasse sowie eine Deutschförderklasse. Dem Vernehmen nach war der Plan mit dem katholischen Schulamt und dem Schulqualitätsmanagement der Bildungsdirektion vorab abgestimmt worden – Bildungsdirektor Mair zeigte sich davon jedoch überrascht und lehnte das Vorhaben ab.

Mair geht davon aus, dass es sich bei dem Vorstoß der Direktorin um eine Reaktion auf ein konkretes schulorganisatorisches Problem gehandelt habe: die Schwierigkeit, für vom Religionsunterricht abgemeldete Kinder eine geeignete Betreuung zu finden. Grundsätzlich sei es angesichts der zunehmend heterogenen Glaubenszugehörigkeit in Schulen – mit mehr Kindern anderer Konfessionen oder ohne religiöses Bekenntnis – nicht erstrebenswert, Klassen nach religiösen Kriterien zu bilden. Mair sprach sich dafür aus, parallel zum Religionsunterricht einen altersgerechten Ethikunterricht für konfessionslose Kinder einzuführen. Ein solches Angebot könnte bereits in der Volksschule zur Demokratiebildung beitragen und grundlegende ethische Werte vermitteln – für eine entsprechende Umsetzung wäre jedoch eine Gesetzesänderung auf Bundesebene erforderlich.

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KO KOSMO-Redaktion
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