Ein anonymer Brief, eine Kindergartenhelferin und ein Bürgermeister, der seine Nichte verteidigt – im Burgenland brodelt es.
In einem Kindergarten im burgenländischen Deutsch Jahrndorf (Bezirk Neusiedl am See) steht eine Helferin unter schweren Vorwürfen. Die Bildungsdirektion hat Ermittlungen eingeleitet. Ausgangspunkt ist ein anonymes Schreiben, das sich gegen eine Mitarbeiterin des Kindergartens richtet: Die Betreuerin soll gegenüber einem Kind „körperlich übergriffig“ geworden sein. Mehrere Kinder sollen den Vorfall beobachtet und ihren Eltern davon berichtet haben.
Den Angaben im anonymen Brief zufolge brachten die Schilderungen der Kinder den Fall ins Rollen. Die Bildungsdirektion bestätigte, dass ihr der Vorgang bekannt ist und ein Verfahren läuft – weitergehende Auskünfte wurden mit Verweis auf das laufende Verfahren jedoch nicht erteilt.
Bürgermeister widerspricht
Das anonyme Schreiben enthält noch einen weiteren Hinweis, der für Aufmerksamkeit sorgt: Bei der beschuldigten Kindergartenassistentin soll es sich um die Nichte des Bürgermeisters handeln. Diesen Umstand bestätigt Ortschef Gerhard Bachmann (SPÖ) ausdrücklich – und nimmt seine Verwandte zugleich in Schutz. „Meine Nichte ist neben zwei Pädagoginnen eine von drei Helferinnen im Kindergarten. Bei dem sogenannten Vorfall hat sie ihren eigenen Sohn, der sehr aufgeweckt war, in den Vorraum gesetzt, bis er sich beruhigt hatte. Ein Kind dürfte das zu Hause weitererzählt haben. Körperliche Übergriffe hat es überhaupt nicht gegeben“, klärt der Bürgermeister auf.
Das Schreiben mit den Vorwürfen wurde an mehrere Stellen weitergeleitet, darunter die Gemeindeaufsicht und die Kinder- und Jugendhilfe. Bachmann zufolge hat bereits eine Kindergarteninspektorin den Kindergarten besucht: „Aus ihrer Sicht ist nichts von strafrechtlicher Relevanz vorgefallen und bestehe kein Handlungsbedarf.“ Der Bericht der Inspektorin sei öffentlich zugänglich und könne auf dem Gemeindeamt eingesehen werden.
Verdacht: Racheakt
Hinter den Anschuldigungen vermutet der Bürgermeister einen „Racheakt“ – ausgelöst durch die bevorstehende Reduzierung von zwei auf eine Kindergartengruppe. Derzeit werden 23 Kinder betreut. „Die Zeiten von Corona und des verstärkten Zuzugs sind vorbei. Zwei Gruppen sind wirtschaftlich nicht mehr vertretbar“, erklärt Bachmann.
Der abschließende Bericht der Bildungsdirektion steht noch aus.