Frankreich brennt – nicht zum ersten Mal. Doch diesmal vereint die Straße Schüler, Gewerkschafter und Gelbwesten gegen dieselbe Regierung.
Am Samstag gingen in Frankreich Hunderttausende Menschen auf die Straße, um gegen die gestiegenen Lebenshaltungskosten und den Sparhaushalt der Regierung zu protestieren. In mehreren Städten eskalierten die Demonstrationen zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, landesweit wurden mehr als 160 Personen festgenommen.
Angriff auf CNews
Besonders in Paris spitzte sich die Lage zu, als Demonstranten den Sitz des TV-Senders CNews attackierten – jenes Medienunternehmens, das zum Konzern des Milliardärs Vincent Bolloré gehört. Allein bei diesem Vorfall nahm die Polizei mehr als 20 Personen fest. Die Behörden gingen mit Tränengas und Schlagstöcken gegen die Menge vor. Für Bereiche rund um den Präsidentenpalast wurde ein Demonstrationsverbot erlassen. Die Polizei rechnete in Paris mit rund 40.000 Teilnehmern, landesweit mit etwa 170.000.
Die Proteste richten sich gegen die anhaltend hohen Lebenshaltungskosten sowie gegen einen Regierungshaushalt, der unter anderem Kürzungen im Bildungsbereich vorsieht. Ein breites gesellschaftliches Bündnis hatte sich für die Demonstrationen zusammengefunden: Schüler, Studierende, Gewerkschaftsmitglieder und Vertreter der Gelbwesten-Bewegung zogen gemeinsam auf die Straße, um ihren Unmut über die Regierungspolitik zum Ausdruck zu bringen.
Ultralinke Mobilisierung
Innenminister Laurent Nunez schloss bei besonders schweren Ausschreitungen den Einsatz von Blendgranaten nicht aus. Präsident Emmanuel Macron hatte noch am Freitag dazu aufgerufen, friedlich zu protestieren. Dennoch kam es zu gezielten Gewaltaktionen, die laut Innenministerium maßgeblich auf eine starke Mobilisierung der ultralinken Szene zurückzuführen sind.
In Marseille und Paris wurden Geschäfte geplündert, zudem verzeichneten die Behörden mehrere Übergriffe auf staatliche Einrichtungen.