Ein Ebola-Patient in Berlin, hunderte Verdachtsfälle in Afrika – der Ausbruch trifft die Welt mit voller Wucht.
In der Demokratischen Republik Kongo und im benachbarten Uganda hat sich die Ebola-Lage nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation weiter verschärft: Mittlerweile wurden 528 Verdachtsfälle und 132 mutmaßliche Todesfälle registriert. Das Risiko einer weiteren Ausbreitung innerhalb Afrikas wird von der WHO als hoch eingestuft. Die Weltgesundheitsorganisation hat wegen des Ebola-Ausbruchs in der Demokratischen Republik Kongo eine gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite ausgerufen, betont jedoch, dass das Risiko einer internationalen Ausbreitung außerhalb Afrikas derzeit als gering eingestuft wird. Der überwiegende Teil der Fälle entfällt auf die Demokratische Republik Kongo, wo 516 Verdachtsfälle und 131 Todesfälle gemeldet wurden und der Ausbruch mutmaßlich in der dritten Aprilwoche seinen Ursprung nahm. In Uganda wurden bisher zwölf Verdachtsfälle sowie ein bestätigter Todesfall erfasst.
Die WHO geht davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Erkrankungen deutlich höher liegt, weil viele Fälle nicht gemeldet werden. „Das sind wirklich dramatische Zahlen, gerade dafür, dass die Epidemie erst seit drei Tagen bekannt ist“, sagte der Epidemiologe Maximilian Gertler von der Berliner Charité am Mittwoch dem RBB-Inforadio. „Da muss man annehmen, dass es schon eine ganze Zeit sehr fortgeschritten ist, ohne dass das diagnostiziert werden konnte und die Epidemiebekämpfung starten konnte.“
Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen stuft den Ausbruch als dramatisch ein, hält eine geordnete medizinische Versorgung jedoch für realisierbar. „Ebola-Behandlung ist kompliziert und auch nicht ungefährlich, aber es ist auch kein Grund, in Panik zu verfallen. Man kann in einem kontrollierten Setting gut damit umgehen“, sagte Gertler. Dieses kontrollierte Setting wolle man in der Region etablieren für die Patientenversorgung, so der Experte weiter.
Patient in Berlin
In der Nacht auf Mittwoch wurde ein mit dem Ebola-Virus infizierter US-amerikanischer Staatsbürger in der Sonderisolierstation der Berliner Charité auf dem Campus Virchow-Klinikum aufgenommen. Der Mann hatte sich in der Demokratischen Republik Kongo angesteckt, wo sich das Virus derzeit stark ausbreitet. Die US-Behörden wandten sich unter anderem wegen der kürzeren Flugzeit an die deutsche Bundesregierung. Laut Gesundheitsministerium wurde der Transport von Uganda aus mit einem Spezialflugzeug für hochinfektiöse Patienten organisiert; von dort gelangte der Patient mit einem speziell ausgestatteten Fahrzeug in die Klinik. Der Konvoi wurde von zahlreichen Motorrädern und Fahrzeugen der Polizei sowie Feuerwehren und Rettungswagen begleitet. Kurz vor 3.00 Uhr erreichte das Spezialfahrzeug das Krankenhaus.
Die Sonderisolierstation auf dem Campus Virchow-Klinikum verfügt über eine spezialisierte Infrastruktur zur Versorgung von Patienten mit hochansteckenden lebensbedrohlichen Infektionskrankheiten, wie es zur Erläuterung hieß. Sie ist eine geschlossene und geschützte Einheit, getrennt vom regulären Klinikbetrieb, sodass kein Kontakt zu anderen Patientinnen und Patienten entstehen kann.
Gefährliche Variante
Ebola zählt zu den ansteckendsten und gefährlichsten Infektionskrankheiten weltweit. Die Übertragung erfolgt über direkten Körperkontakt sowie über Körperflüssigkeiten. Als natürliches Reservoir des Virus gelten die dichten Tropenwälder des Kongobeckens. Typische Krankheitszeichen sind Schwächegefühl, Muskelschmerzen, Kopf- und Halsschmerzen sowie Erbrechen und Durchfall. Ohne rasche Behandlung liegt die Sterblichkeitsrate laut Robert Koch-Institut bei bis zu 90 Prozent. Beim bislang schwersten Ausbruch in Westafrika in den Jahren 2014 und 2015 kamen mehr als 11.000 Menschen ums Leben.
Damals war die Zaire-Variante des Ebola-Virus für den Ausbruch verantwortlich, wofür mittlerweile ein Impfstoff verfügbar ist. Nun haben es die Mediziner mit einem Ausbruch der seltenen Bundibugyo-Variante (Ebola-Subtyp) zu tun, für die es bisher keine Vakzine und auch keine Therapie gibt. Dies macht es besonders schwer, die Lage einzudämmen.
„Im Moment sind wir damit beschäftigt, Teams und Experten auf der ganzen Welt zusammen zu telefonieren, die wir in unseren Einsätzen bereits hatten oder die sich mit diesen Erkrankungen auskennen“, sagte der Facharzt. „Wir ziehen Personal aus Projekten in Afrika zusammen in die Region. Wir mobilisieren tonnenweise Material mit Schutzausrüstung und Gerät, um Isolierstationen zu improvisieren, zu bauen.“