Ein neuer Ansatz könnte die Verhütung grundlegend verändern – und Männer endlich stärker in die Pflicht nehmen.
Forschende der Justus-Liebig-Universität Gießen arbeiten gemeinsam mit Wissenschaftlern aus Aachen, Münster, Bonn und München an der Entwicklung eines neuartigen Verhütungsmittels für Männer. Im Mittelpunkt steht ein nichthormoneller Wirkstoff, der eine vorübergehende Unfruchtbarkeit bewirken soll – zuverlässig und mit möglichst wenigen Nebenwirkungen. Das Bundesforschungsministerium fördert das Vorhaben über drei Jahre mit insgesamt rund drei Millionen Euro.
Biologischer Mechanismus
Grundlage der Forschung ist ein biologischer Mechanismus, der bislang kaum erforscht ist: der Transport von Spermien innerhalb des Hodens. Eine zentrale Rolle spielt dabei das Molekül ATP (Adenosintriphosphat, zellulärer Energieträger), das in der Zellbiologie als universelle Energieeinheit gilt. Neueren Erkenntnissen zufolge – so die Universität Gießen – löst ATP auch Kontraktionen in den Muskelzellen aus, die die Samenkanälchen umhüllen. Über diese Kontraktionen werden reife, noch bewegungsunfähige Spermien durch den Hoden befördert.
Das Forschungsteam will die Gene, Proteine und Mechanismen identifizieren, die an diesen Muskelkontraktionen beteiligt sind, um darauf aufbauend geeignete Wirkstoffe zu entwickeln, die gezielt in diesen Prozess eingreifen. Projektkoordinator Marc Spehr von der RWTH Aachen betont, dass es darum gehe, neue Optionen für die Familienplanung zu eröffnen und die Verantwortung für die Verhütung gerechter zwischen Männern und Frauen zu verteilen.