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Lebensweg

Wer war Ratko Mladić? Vom Armeegeneral zum verurteilten Kriegsverbrecher

Wer war Ratko Mladić? Vom Armeegeneral zum verurteilten Kriegsverbrecher
Foto: epa/ENRIC MARTI
4 Min. Lesezeit |

Ratko Mladić gehörte zu den zentralen militärischen Akteuren des Bosnienkriegs. Wegen Völkermords, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen wurde der frühere Oberbefehlshaber der Armee der Republika Srpska zu lebenslanger Haft verurteilt.

Mladić wurde im ostbosnischen Dorf Božanovići bei Kalinovik geboren. Nach seiner militärischen Ausbildung begann er 1965 seine Laufbahn in der Jugoslawischen Volksarmee. In den folgenden Jahrzehnten stieg er innerhalb des Militärs kontinuierlich auf und war unter anderem in Skopje, Priština und Knin eingesetzt.

Mit dem Zerfall Jugoslawiens rückte Mladić zunehmend ins Zentrum der kriegerischen Auseinandersetzungen. 1991 übernahm er eine führende Position im 9. Korps der Jugoslawischen Volksarmee im kroatischen Knin. Am 12. Mai 1992 wurde er zum Kommandanten des Hauptstabs der neu gegründeten Armee der Republika Srpska ernannt. Dieses Amt hatte er mindestens bis November 1996 inne.

Belagerung von Sarajevo und Srebrenica

Unter Mladićs Führung waren bosnisch-serbische Einheiten an zahlreichen Verbrechen gegen die nichtserbische Bevölkerung beteiligt. Dazu gehörte die jahrelange Belagerung Sarajevos, bei der die Zivilbevölkerung durch Artilleriebeschuss und Scharfschützen terrorisiert wurde.

Als schwerstes Verbrechen gilt der Völkermord von Srebrenica im Juli 1995. Nach der Einnahme der damaligen UN-Schutzzone wurden mehr als 8.000 bosniakische Männer und Jungen ermordet. Das Massaker gilt als das schwerste Kriegsverbrechen in Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs.

Das internationale Gericht stellte später fest, dass Mladić eine führende Rolle in mehreren gemeinsamen kriminellen Vorhaben gespielt hatte. Diese zielten unter anderem darauf ab, Bosniaken und Kroaten dauerhaft aus jenen Gebieten zu vertreiben, die von der bosnisch-serbischen Führung beansprucht wurden.

Zudem wurde Mladić für die gezielte Verbreitung von Terror unter der Zivilbevölkerung Sarajevos sowie für die Geiselnahme von UN-Mitarbeitern verantwortlich gemacht. Die Gefangenen sollten als Druckmittel eingesetzt werden, um weitere NATO-Luftangriffe auf bosnisch-serbische Stellungen zu verhindern.

Fast 16 Jahre auf der Flucht

Der Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien erhob bereits im Juli 1995 Anklage gegen Mladić. Dennoch blieb er fast 16 Jahre lang auf freiem Fuß. In den ersten Jahren nach dem Krieg soll er sich zeitweise offen in Serbien bewegt und Unterstützung aus militärischen sowie politischen Kreisen erhalten haben.

Später verlor sich seine Spur. Medienberichten zufolge lebte Mladić während seiner Flucht unter falschem Namen und soll zeitweise als Tagelöhner gearbeitet haben. Am 26. Mai 2011 wurde er schließlich im nordserbischen Dorf Lazarevo im Haus eines Verwandten festgenommen.

Zum Zeitpunkt seiner Festnahme war sein Gesundheitszustand bereits erheblich angeschlagen. Wenige Tage später, am 31. Mai 2011, wurde er an das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag überstellt.

Lebenslange Haftstrafe

Der Prozess gegen Mladić begann im Mai 2012. Die Anklage umfasste zwei Punkte wegen Völkermords, fünf wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und vier wegen Verstößen gegen das Kriegsrecht.

Am 22. November 2017 wurde Mladić in zehn von elf Anklagepunkten schuldig gesprochen. Das Gericht verurteilte ihn wegen des Völkermords in Srebrenica sowie wegen Verfolgung, Vernichtung, Mord, Deportation, Zwangsvertreibung, Terror, Angriffen auf Zivilisten und der Geiselnahme von UN-Personal zu lebenslanger Haft.

Vom Vorwurf des Völkermords in sechs weiteren bosnischen Gemeinden im Jahr 1992 wurde er freigesprochen. Die Richter stellten dort zwar schwere Verbrechen fest, sahen die besonderen juristischen Voraussetzungen für eine Verurteilung wegen Völkermords jedoch nicht als ausreichend bewiesen an.

Mladić legte gegen das Urteil Berufung ein. Am 8. Juni 2021 bestätigte die Berufungskammer sowohl die Schuldsprüche als auch die lebenslange Freiheitsstrafe rechtskräftig. Mehrere spätere Anträge auf eine vorzeitige oder medizinisch begründete Entlassung blieben erfolglos.

Bis zu seinem Tod befand sich Ratko Mladić in Den Haag in Haft. Sein Name bleibt untrennbar mit der Belagerung Sarajevos, dem Völkermord von Srebrenica und den schwersten Verbrechen des Bosnienkriegs verbunden.

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LV Lukas V.
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