Er erlebte Jugoslawien von innen – als Partisan, Diplomat und Staatschef. Nun ist Raif Dizdarevic im Alter von 99 Jahren gestorben.
Mit dem Tod von Raif Dizdarevic ist eine der letzten prägenden Stimmen aus der politischen Führungsriege des sozialistischen Jugoslawiens verstummt.
Am 2. September 2026 starb der frühere Präsident des Staatspräsidiums der SFRJ (Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien) und langjährige jugoslawische Diplomat Raif Dizdarevic in Sarajevo. Er wurde 99 Jahre alt. Dizdarevic zählte zu den wenigen noch lebenden Persönlichkeiten Bosnien-Herzegowinas, die in der sozialistischen Ära des Vielvölkerstaates an höchster politischer Stelle gewirkt hatten.
Politische Laufbahn
Raif Dizdarevic kam am 9. Dezember 1926 im bosnischen Fojnica zur Welt. Bereits mit 16 Jahren schloss er sich 1943 der jugoslawischen Partisanenbewegung an. Der Weg in den Staatsdienst führte ihn ab 1951 in die Diplomatie, wo er unter anderem in Bulgarien und der Tschechoslowakei tätig war.
Zwischen 1978 und 1982 stand er dem Präsidium der Sozialistischen Republik Bosnien-Herzegowina vor. Den Höhepunkt seiner politischen Laufbahn erreichte er 1988, als er an die Spitze des kollektiven Staatspräsidiums der SFRJ trat.
Das kollektive Staatspräsidium der SFR Jugoslawien fungierte nach dem Tod Josip Broz Titos am 4. Mai 1980 als kollektives Staatsoberhaupt und blieb bis zum Zerfall der SFRJ am 27. April 1992 bestehen. Nach Titos Tod wurde der Vorsitz nach einem jährlichen Rotationsprinzip vergeben, bei dem die Mitglieder turnusmäßig am 15. Mai den Vorsitz übernahmen.
Historische Aufarbeitung
Nach dem Ende seiner aktiven politischen Tätigkeit blieb Dizdarevic in Sarajevo und widmete sich der historischen Aufarbeitung jener Epoche, die er selbst mitgestaltet hatte. Er verfasste mehrere Bücher, darunter „Od smrti Tita do smrti Jugoslavije“ und „Vrijeme koje se pamti“.
Noch bis ins hohe Alter meldete er sich regelmäßig zu Wort – mit Einschätzungen zur politischen Gegenwart Bosnien-Herzegowinas sowie zum Erbe des untergegangenen Jugoslawiens.