Neue Schulwoche, alte Konflikte – was Lehrkräfte hinter verschlossenen Klassenzimmertüren erleben, hat nun das Bundeskanzleramt aufgerüttelt.
Mit dem neuen Schuljahr, das für den Osten Österreichs an diesem Montag beginnt, wächst bei vielen Lehrerinnen und Lehrern die Sorge vor einem Alltag, der längst mehr verlangt als pädagogisches Grundhandwerk. Kulturelle Spannungen im Klassenzimmer haben sich zu einer ernsthaften Herausforderung entwickelt.
Runder Tisch
Am Donnerstag kamen im Bundeskanzleramt Lehrerinnen, Lehrer und Schuldirektoren zu einem Runden Tisch zusammen, um über die Lage an Österreichs Schulen zu sprechen. Die geschilderten Situationen waren teils gravierend: Schüler, die absichtlich schlechte Leistungen erbringen, um den Anspruch auf Sozialleistungen nicht zu verlieren; muslimische Schülerinnen, die von männlichen Mitschülern unter Druck gesetzt werden, bestimmte Verhaltensregeln einzuhalten; und eine Lehrperson, die sich gezwungen sah, eine eigene Klasse für straffällig gewordene Schüler einzurichten.
Maßnahmenpaket
Die Regierung reagiert auf diese Berichte mit einem konkreten Maßnahmenpaket. ÖVP-Integrationsministerin Claudia Bauer kündigte an, dass der Österreichische Integrationsfonds unter der Federführung von Emina Saric künftig Workshops und Seminare für Pädagoginnen und Pädagogen entwickeln wird.
Die Angebote sollen sowohl online als auch in Präsenz verfügbar sein und sich thematisch auf ehrkulturelle Drucksituationen sowie religiös begründete Konflikte konzentrieren. Im Rahmen des Seminarprogramms für Herbst 2025 bietet der ÖIF insgesamt 50 kostenlose Weiterbildungen, Seminare, Workshops und Tagungen zu sieben Themenfeldern an – darunter ausdrücklich „Integration in Schule und Kindergarten“ sowie „Sicherheit, Radikalisierung und Extremismus“. Die Teilnahme ist kostenlos, und die Veranstaltungen können bei Interesse direkt an Schulen abgehalten werden.
Ziel ist es, Lehrkräften konkrete Handlungsspielräume zu eröffnen – ohne dass sie dabei in eine Rolle gedrängt werden, die eigentlich nicht ihre ist. „Lehrkräfte brauchen klare Handlungsmöglichkeiten und unsere Rückendeckung, wenn es um religiös begründete Konflikte geht“, sagte Bauer.