Eine Droge, die einst als Party-Mittel galt, bekommt in Neuseeland nun eine offizielle medizinische Rolle – mit strengen Auflagen.
Neuseeland hat als zweites Land weltweit den medizinischen Einsatz von MDMA zur Behandlung der Posttraumatischen Belastungsstörung offiziell genehmigt. Damit folgt das Land dem Beispiel Australiens, das diesen Schritt bereits zuvor gegangen war.
Bekanntgegeben wurde die Entscheidung vom stellvertretenden Premierminister David Seymour, der die schwierige Behandelbarkeit von PTBS als zentrales Argument anführte. „PTBS zerstört Leben und ist schwierig zu behandeln“, erklärte Seymour und ergänzte, MDMA könne „sehr wirksam sein bei der Behandlung“. Die Substanz darf ausschließlich in Kombination mit Psychotherapie und nur für volljährige Patienten eingesetzt werden – stets innerhalb eines klinisch kontrollierten Rahmens.
Klare Rahmenbedingungen
Patienten erhalten die Substanz nicht zur selbständigen Einnahme, sondern ausschließlich im therapeutischen Setting. Laut dem neuseeländischen Gesundheitsministerium erfolgt der Einsatz „in einem kontrollierten klinischen Rahmen unter der Aufsicht befugter Psychiater“. PTBS, die als Folge schwerer traumatischer Erlebnisse wie Kampfeinsätzen oder sexueller Gewalt entstehen kann, soll durch die MDMA-gestützte Psychotherapie gezielter und wirksamer behandelt werden können.
Internationales Bild
Auf internationaler Ebene ist das Bild gespalten. Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA lehnte den medizinischen Einsatz von MDMA 2024 mit der Begründung ab, dass die vorliegenden Belege für Wirksamkeit und Sicherheit nicht ausreichend seien.
Demgegenüber liefern mehrere klinische Studien aussagekräftige Ergebnisse: In einer 2021 veröffentlichten, randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Phase-3-Studie zur MDMA-assistierten Therapie bei schwerer PTBS erfüllten 67 % der mit MDMA behandelten Patientinnen und Patienten nach drei Sitzungen die Kriterien für eine PTBS nicht mehr, während dies in der Placebogruppe 32 % waren. Eine weitere Phase-3-Studie aus dem Jahr 2023 zeigte ähnliche Resultate: 71,2 % der mit MDMA behandelten Teilnehmenden berichteten am Studienende keine PTBS mehr, und die Behandlung führte zu einer statistisch signifikanten und klinisch bedeutsamen Verbesserung der PTBS-Symptome gegenüber Placebo plus Psychotherapie.
Demgegenüber liefert eine israelische Studie aus dem Jahr 2023 Hinweise darauf, dass MDMA die psychischen Folgen traumatischer Ereignisse abschwächen könnte. Bei Festival-Besuchern, die während eines Angriffs der Hamas auf das Nova-Musikfestival im Negev-Gebiet MDMA eingenommen hatten, wurden geringere Traumaauswirkungen festgestellt.