Ein umstrittenes Schulgesetz, große Aufregung – doch die Realität sieht nüchterner aus als befürchtet.
Das Kopftuchverbot für Mädchen unter 14 Jahren an österreichischen Schulen hat bislang keine nennenswerte Welle an Abmeldungen zum häuslichen Unterricht ausgelöst. Das Bildungsministerium berichtet von einem weitgehend reibungslosen Vollzug der Regelung. Österreichweit wurden knapp 2.000 Abmeldungen registriert, im Vergleich zu rund 1.900 im vorangegangenen Schuljahr.
Der Zuwachs, der konkret auf das Verbot zurückgeführt werden könnte, umfasst lediglich etwa 70 Mädchen unter 14 Jahren – eine Größenordnung, die sich im Rahmen üblicher Schwankungen der Vorjahre bewegt. Die meisten Abmeldungen entfallen auf Niederösterreich mit 477 Fällen, dahinter folgen die Steiermark mit 294, Wien mit 284 und Oberösterreich mit 254.
Kein Massenrückzug
Die Befürchtung, das Verbot könnte einen massiven Rückzug von Mädchen aus dem öffentlichen Schulsystem nach sich ziehen, hat sich nach aktuellem Stand nicht bewahrheitet. Nur ein Drittel aller Abmeldungen betrifft überhaupt Mädchen unter 14 Jahren. Bemerkenswert ist zudem, dass Buben anteilsmäßig häufiger vom Präsenzunterricht abgemeldet werden als Mädchen – ein Hinweis darauf, dass für die Mehrzahl der Fälle andere Motive als das Kopftuchverbot ausschlaggebend sind.
Verschärfte Regelungen
In Österreich besteht zwar eine Unterrichtspflicht, jedoch keine Schulpflicht im engeren Sinne, weshalb Eltern grundsätzlich die Möglichkeit haben, ihre Kinder zu Hause zu unterrichten. Nach den Erfahrungen der Corona-Pandemie wurden die entsprechenden Regelungen jedoch deutlich verschärft. Abmeldungen müssen seither bereits vor den Sommerferien angezeigt werden, und Externistenprüfungen werden von eigens eingesetzten Kommissionen abgenommen – eine Maßnahme, die gezielt einem sogenannten Prüfungstourismus entgegenwirken soll.