Ein Schießkeller in Vorarlberg, eine bizarre Inszenierung und plötzlich ist ganz Österreich empört.
Eine im Gemeindeblatt der Vorarlberger Gemeinde Kennelbach veröffentlichte Fotodokumentation einer Schießübung hat eine breite politische Debatte ausgelöst. Die Aufnahmen zeigen Puppen, die die Gesichter der ehemaligen SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner und des früheren FPÖ-Vorsitzenden Heinz-Christian Strache tragen – wobei die Rendi-Wagner-Figur in Reizwäsche auf dem Schoß der Strache-Puppe dargestellt ist. Die Szene war Teil des Internationalen Verteidigungsschießens für Exekutive und Heer, das im April 2023 im Schießkeller Kennelbach stattfand und regelmäßig bis zu 300 Teilnehmer aus dem In- und Ausland anzieht.
Breite Empörung
Die Empörung über die Inszenierung zieht sich quer durch alle politischen Lager. Vorarlbergs Landespolizeidirektorin Uta Bachmann betonte, dass die Behörde von der konkreten Darstellung zu keinem Zeitpunkt in Kenntnis gesetzt worden war. In einer klaren Stellungnahme erklärte sie: „Das auf dem medial kursierenden Foto ersichtliche Szenario […] wird als geschmacklos erachtet und auf das Strengste abgelehnt.“ Auch die SPÖ reagierte mit scharfer Kritik – Frauensprecherin Manuela Auer verurteilte die erniedrigende Darstellung der ehemaligen Parteivorsitzenden.
ÖVP-Landesrat Christian Gantner, der für die Veranstaltung den Ehrenschutz übernommen hatte, ohne jedoch in die Gestaltung der Szene eingebunden gewesen zu sein, distanzierte sich unmissverständlich: „Die in der Berichterstattung beschriebene Darstellung ist inakzeptabel.“ ÖVP-Landesrätin Martina Ruscher ergänzte: „Die Würde einer Frau darf niemals zur Zielscheibe vermeintlicher Unterhaltung werden.“
Die Grünen forderten von der Landesregierung eine ebenso klare Positionierung. Eva Hammerer, Grüne, hielt fest: „Es ist absolut inakzeptabel, dass die ehemalige Parteichefin der SPÖ bei einer Schießübung eindeutig als Prostituierte auf dem Schoß des ehemaligen FPÖ-Parteichefs dargestellt wird.“ FPÖ-Frauensprecherin Nicole Feurstein-Hosp schloss sich der Kritik an und erklärte: „Eine Frau in Reizwäsche als Kulisse für ein Schießszenario darzustellen, ist sexistisch, entwürdigend und durch nichts zu rechtfertigen.“
Dienstrechtliche Überprüfung
Die Vorarlberger Polizei hat inzwischen eine dienstrechtliche Überprüfung eingeleitet, um festzustellen, ob und in welchem Ausmaß aktive Beamte an der Veranstaltung beteiligt waren.
Aus mehreren Parteien werden Forderungen nach vollständiger Aufklärung laut – verbunden mit der klaren Erwartung, dass Staat und Exekutive in dieser Angelegenheit Verantwortung übernehmen.