Mehr Geld für Pensionisten und Europas stärkstes Wirtschaftswachstum: Aleksandar Vučić wirbt in Novi Sad mit großen Versprechen um Stimmen. Konkrete Angaben zur nächsten Pensionserhöhung fehlen – und der Internationale Währungsfonds erwartet weniger Wachstum.
Serbiens früherer Präsident Aleksandar Vučić hat bei einem Wahlkampfauftritt am 16. Oktober 2026 in Novi Sad weitere Pensionserhöhungen und steigende Einkommen in Aussicht gestellt. Für 2027 erwartet er nach eigenen Angaben ein Wirtschaftswachstum von 4,5 Prozent. Damit werde Serbien Europas am schnellsten wachsende Volkswirtschaft, erklärte er vor seinen Anhängern.
Vučić führt die Wahlliste „Aleksandar Vučić – Ujedinjena Srbija“, auf Deutsch „Vereintes Serbien“, an und kandidiert für das Amt des Regierungschefs. Die vorgezogene Parlamentswahl findet am 25. Oktober 2026 statt. Vom Präsidentenamt war er am 27. September zurückgetreten. Die Amtsgeschäfte übernahm anschließend Parlamentspräsidentin Ana Brnabić vorübergehend.
Wachstumsversprechen über IWF-Prognose
Die von Vučić genannten 4,5 Prozent sind eine politische Prognose und keine bereits gesicherte Entwicklung. Der Internationale Währungsfonds erwartet in seinem im Oktober veröffentlichten Wirtschaftsausblick für Serbien 4 Prozent Wachstum im Jahr 2027. Für 2026 liegt seine Prognose bei 3,3 Prozent.
Vučićs Erwartung für das kommende Jahr liegt damit um einen halben Prozentpunkt über der IWF-Prognose. Seine zusätzliche Aussage, Serbien werde beim Wachstum europaweit an erster Stelle stehen, ist damit nicht belegt. Auch die tatsächliche Entwicklung von Löhnen und Pensionen lässt sich aus einer Wachstumsprognose allein nicht ableiten.
Gezielter Appell an Pensionisten
Einen besonderen Teil seiner Rede widmete Vučić den Pensionistinnen und Pensionisten. Er dankte ihnen für die Unterstützung der wirtschaftspolitischen Maßnahmen zwischen 2014 und 2017 und stellte diese als Grundlage für Verbesserungen dar. Das ist seine politische Bewertung des damaligen Kurses.
Zugleich versprach er weitere deutliche Pensionserhöhungen, die der Lohnentwicklung folgen sollten. Einen konkreten Prozentsatz oder einen Umsetzungstermin nannte er in diesem Redeabschnitt nicht. Eine bereits beschlossene zusätzliche Erhöhung lässt sich daraus deshalb nicht ableiten.
Vučić appellierte an ältere Wahlberechtigte, bei ihrer Entscheidung auch an ihre Kinder und Enkelkinder zu denken. Er versprach bessere Zukunftschancen und Möglichkeiten für junge Menschen, in Serbien zu leben, zu arbeiten und beruflich voranzukommen.
Politisch bedeutender Auftritt in Novi Sad
Der Veranstaltungsort hat besonderes politisches Gewicht: Beim Einsturz des Bahnhofsvordachs in Novi Sad im November 2024 starben insgesamt 16 Menschen. Die Katastrophe löste eine landesweite Protestbewegung aus, die Aufklärung und Verantwortung einfordert. Von Studierenden unterstützte Kandidaten treten bei der bevorstehenden Wahl als Herausforderer des Regierungslagers an.