Europas Aufrüstung, steigende Militärausgaben und Tschechows berühmtes Gewehr: Aleksandar Vučić zeichnet ein düsteres Bild der Sicherheitslage und hält einen dritten Weltkrieg für unvermeidbar.
Der frühere serbische Präsident Aleksandar Vučić hat sich äußerst pessimistisch über die internationale Sicherheitslage geäußert. In einem Interview mit der russischen Journalistin Ksenija Sobčak erklärte er, der Dritte Weltkrieg sei seiner Einschätzung nach „unvermeidbar“. Als einen zentralen Grund dafür nannte er die zunehmende Aufrüstung europäischer Staaten.
Vučić ist seit Ende September 2026 nicht mehr Präsident Serbiens. Am 27. September legte er sein Amt nieder, um als Bürger an den bevorstehenden Parlamentswahlen teilnehmen zu können.
Europas Rüstungsdynamik
Vučić verwies im Interview auf steigende Verteidigungsausgaben in zahlreichen europäischen Staaten und den Ausbau militärischer Kapazitäten, darunter auch in skandinavischen Ländern. Er stellte die Frage, welchem langfristigen Zweck diese massive Aufrüstung dienen solle.
Um seine Einschätzung zu verdeutlichen, zog Vučić einen Vergleich mit dem bekannten dramaturgischen Prinzip Anton Tschechows: Taucht in einer Geschichte zu Beginn ein Gewehr auf, müsse es im weiteren Verlauf auch abgefeuert werden. Nach Ansicht Vučićs könnte sich eine ähnliche Logik auf die zunehmende Anhäufung von Waffen in Europa übertragen.
Als Beispiel führte er den deutschen Rüstungskonzern Rheinmetall an. Vučić behauptete, dessen Gewinn sei aufgrund der gestiegenen Nachfrage nach Militärausrüstung um das 17-Fache gestiegen. Diese konkrete Größenordnung lässt sich anhand der veröffentlichten Geschäftszahlen des Konzerns allerdings nicht bestätigen.
Rheinmetall ist in den vergangenen Jahren tatsächlich stark gewachsen. Das operative Konzernergebnis stieg von 594 Millionen Euro im Jahr 2021 auf 1,841 Milliarden Euro im Jahr 2025 und hat sich damit in diesem Zeitraum etwas mehr als verdreifacht. Allein 2025 legte das operative Ergebnis gegenüber dem Vorjahr um 33 Prozent zu. Der Umsatz erreichte knapp 9,94 Milliarden Euro.
„Wäre glücklich, wenn ich mich irre“
Trotz seiner pessimistischen Einschätzung äußerte Vučić die Hoffnung, mit seiner Prognose falschzuliegen. Er sagte, er wäre der glücklichste Mensch der Welt, wenn sich seine Einschätzung als falsch herausstellen würde – fürchte jedoch, dass dies nicht der Fall sei.
Europäische Staaten begründen steigende Verteidigungsausgaben vor allem mit der veränderten Sicherheitslage seit dem russischen Angriff auf die Ukraine und der Notwendigkeit, die eigenen Verteidigungsfähigkeiten auszubauen. Vučić interpretiert die zunehmende militärische Aufrüstung hingegen als Warnsignal für eine mögliche weitere Eskalation.
Diplomatie statt Eskalation
Im Gespräch mit Sobčak sprach Vučić auch über Serbiens Beziehungen zu Russland und westlichen Staaten sowie über den Krieg in der Ukraine. Serbien versucht seit Jahren, seine traditionell engen Beziehungen zu Moskau mit seinem europäischen Kurs und den Beziehungen zu westlichen Partnern zu verbinden.
Trotz seiner Warnungen betonte Vučić die Bedeutung von Diplomatie und Verhandlungen. Politischer Dialog und Gespräche seien aus seiner Sicht weiterhin entscheidend, um eine weitere Eskalation und einen größeren militärischen Konflikt zu verhindern.