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Landwirtschaft

Wie sicher ist Kroatiens Lebensmittelversorgung im Krisenfall?

Wie sicher ist Kroatiens Lebensmittelversorgung im Krisenfall?
(Symbolbild FOTO: iStock)
3 Min. Lesezeit |

Sinkende Agrarproduktion, fehlende Fachkräfte und eine wachsende Abhängigkeit von Importen: In Kroatien wächst die Sorge, wie sicher die Lebensmittelversorgung im Krisenfall wäre.

Kroatiens Landwirtschaft steht vor erheblichen strukturellen Herausforderungen. Seit dem EU-Beitritt ist der Agrarsektor nach Angaben des kroatischen Rundfunks HRT geschrumpft, gleichzeitig nimmt die Abhängigkeit von Lebensmittelimporten zu. Bei einer Konferenz in Dubrovnik diskutierten Vertreter aus Politik, Landwirtschaft und Wissenschaft deshalb darüber, wie Kroatien und die EU ihre Lebensmittelversorgung langfristig widerstandsfähiger machen können.

Marijana Petir, Vorsitzende des Landwirtschaftsausschusses im kroatischen Parlament, forderte einen Kurswechsel in der Agrarpolitik. Die heimische Produktion müsse gestärkt und die Wertschöpfung stärker im eigenen Land gehalten werden. Solange Kroatien Rohstoffe exportiere und fertige Produkte importiere, gehe Wertschöpfung verloren und die heimische Landwirtschaft könne nicht ausreichend wachsen, argumentierte Petir.

Fachkräfte fehlen

Tomislav Vinković, Dekan der Fakultät für Agrarbiotechnische Wissenschaften in Osijek, verwies auf den zunehmenden Mangel an spezialisierten Arbeitskräften. Zwar gebe es in Kroatien erfolgreiche und hochproduktive Betriebe, doch deren weitere Entwicklung werde häufig durch fehlendes Personal gebremst. Gesucht würden insbesondere Agrartechniker, Agronomen und Fachkräfte aus dem Lebensmittelbereich. Gleichzeitig seien die Löhne in diesem Sektor vergleichsweise niedrig, was die Suche nach Nachwuchs zusätzlich erschwere.

Staatssekretär Zdravko Tušek vom kroatischen Ministerium für Landwirtschaft, Forsten und Fischerei verwies zugleich auf einen vergleichsweise positiven Wert bei jungen Landwirten. Nach seinen Angaben sind rund 14 Prozent der kroatischen Landwirte Junglandwirte, während der EU-Durchschnitt bei etwa zwölf Prozent liegt. Ziel sei es dennoch, diesen Anteil weiter zu erhöhen und jungen Menschen mit finanzieller Unterstützung die Übernahme landwirtschaftlicher Betriebe zu erleichtern.

Planungssicherheit für Bauern

Auch Aindrias Moynihan, Vorsitzender des gemeinsamen Ausschusses für Landwirtschaft und Ernährung des irischen Parlaments, betonte die Bedeutung verlässlicher Rahmenbedingungen. Landwirte müssten darauf vertrauen können, dass sich ihre Arbeit wirtschaftlich rechnet und auch für die nächste Generation eine Zukunft bietet. Bei der Konferenz wurde deshalb eine stabile und vorhersehbare Gemeinsame Agrarpolitik der EU mit ausreichender Finanzierung gefordert.

Ein zentrales Thema war dabei die Lebensmittelversorgung als Teil der nationalen Sicherheit. Die Teilnehmer verwiesen darauf, dass Krisen, geopolitische Spannungen, Klimawandel und unterbrochene Lieferketten die Versorgung mit Lebensmitteln zunehmend zu einer strategischen Frage machen. Eine stärkere heimische Produktion und kürzere Lieferketten sollen die Abhängigkeit von Importen reduzieren.

Tourismus als Chance

Besonders großes Potenzial sehen die Experten im Tourismus. Obwohl Kroatien jedes Jahr Millionen Gäste empfängt, stammt laut HRT weiterhin ein großer Teil der Lebensmittel auf den Tischen der Tourismusbetriebe aus dem Ausland. Eine stärkere Verbindung zwischen heimischer Landwirtschaft, Hotellerie und Gastronomie könnte daher zusätzliche Absatzmöglichkeiten für kroatische Produzenten schaffen.

Nikolina Trojić, Präsidentin der Gespanschaftskammer Dubrovnik-Neretva der Kroatischen Wirtschaftskammer, fordert deshalb seit längerem ein großes Logistik- und Vertriebszentrum in der Region. Dieses soll Produkte kleiner landwirtschaftlicher Betriebe bündeln und anschließend an Hotels, größere Tourismusunternehmen und kleinere gastronomische Betriebe verteilen.

Der gemeinsame Tenor der Konferenz: Lebensmittelversorgung soll nicht länger ausschließlich als wirtschaftliches Thema betrachtet werden. Heimische Produktion, ausreichende Reserven und eine funktionierende Infrastruktur seien entscheidend dafür, dass Kroatien auch in Krisenzeiten seine Bevölkerung verlässlich versorgen kann.

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KO KOSMO-Redaktion
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