Ein Dessousshop, ein Gebet und gleich mehrere Politiker: Eine Geschäftseröffnung in der Türkei sorgt für Diskussionen – nun muss sich sogar der Bürgermeister rechtfertigen.
In der türkischen Kleinstadt Alaca in der Provinz Çorum hat die Eröffnung eines Dessous-Geschäfts für unerwartetes Aufsehen gesorgt. Bei der Zeremonie wurde vor dem Geschäft gemeinsam gebetet, anschließend schnitten Bürgermeister Şerif Arslan und weitere Vertreter des lokalen politischen Establishments das Eröffnungsband durch.
Mit dabei waren unter anderem der AKP-Kreisvorsitzende Mücahit Gürsoy, MHP-Kreisvorsitzender İsa Duru sowie der stellvertretende Bürgermeister Oktay Yelkuvan. Das Geschäft trägt den Namen RED İç Giyim und bietet neben gewöhnlicher Unterwäsche auch sogenannte „Fantezi İç Giyim“, also Reiz- und Dessouswäsche, an.
Die Bilder der betenden Politiker vor dem Dessousshop verbreiteten sich anschließend in sozialen Netzwerken und lösten zahlreiche Kommentare und Diskussionen aus. Vor allem die Kombination aus Gebetszeremonie, politischer Prominenz und einem Geschäft für Reizwäsche sorgte für Aufmerksamkeit.
An erotic lingerie store in Turkey was officially opened with a Muslim prayer
The opening ceremony in the town of Alaca was attended by the mayor, representatives of the ruling party and a former imam.
In response to criticism, the mayor defended himself by saying: “We didn’t even go inside.”
— NEXTA (@nexta_tv) October 22, 2026
Bürgermeister reagiert
Bürgermeister Şerif Arslan sah sich daraufhin veranlasst, seine Teilnahme öffentlich zu erklären. Gegenüber dem türkischen Portal Odatv betonte er, dass es sich um ein völlig legales Geschäft handle. Man habe keinen „illegalen“ Betrieb eröffnet und sei außerdem gar nicht in das Geschäft hineingegangen.
Arslan verwies darauf, dass Unterwäsche ein alltägliches Produkt sei und man grundsätzlich versuche, Einladungen zu Geschäftseröffnungen im Ort wahrzunehmen. Dass ausgerechnet diese Eröffnung derart große Aufmerksamkeit erregte, konnte er nach eigenen Angaben nicht nachvollziehen.
Gebet sorgt für Diskussionen
Auch auf das Gebet ging der Bürgermeister ein. Der Mann, der die Zeremonie mit einem Gebet begleitete, sei ein pensionierter Imam gewesen. Dieser habe es nach Ansicht Arslans bei der Gestaltung der Eröffnung allerdings „etwas übertrieben“.
Der Bürgermeister wies zugleich die Darstellung zurück, die Veranstaltung sei wegen des Sortiments besonders ungewöhnlich gewesen. Der Laden verkaufe Produkte, die von Menschen ganz selbstverständlich verwendet würden. Die öffentliche Debatte um die Eröffnung hält dennoch an – gerade weil neben dem Bürgermeister auch Vertreter von AKP und MHP bei der Zeremonie anwesend waren.