Gefälschte Unterkünfte, täuschend echte Zahlungsaufforderungen und Phishing-Nachrichten: Die EU-Kommission nimmt Booking.com wegen möglicher Versäumnisse beim Schutz seiner Nutzer genauer unter die Lupe.
Die Europäische Kommission hat ein formelles Verfahren gegen die Buchungsplattform Booking.com eingeleitet. Untersucht wird, ob das Unternehmen ausreichend gegen Betrugsversuche auf seiner Plattform vorgeht und damit die Vorgaben des europäischen Digital Services Act (DSA) erfüllt.
Im Mittelpunkt stehen unter anderem gefälschte Unterkunftsangebote, Identitätsbetrug und Phishing-Angriffe. Die Ermittlungen folgen auf eine vorläufige Prüfung sowie die Analyse von Risikoberichten, die Booking.com in den vergangenen Jahren bei der EU-Kommission eingereicht hat.
Fake-Unterkünfte im Visier
Eine der untersuchten Maschen betrifft Unterkünfte, die entweder überhaupt nicht existieren oder von Personen angeboten werden, die dazu gar nicht berechtigt sind. Reisende buchen und bezahlen im schlimmsten Fall ein Hotel oder Apartment – und stellen erst bei der Anreise fest, dass die Unterkunft nicht existiert.
Die EU will nun klären, ob Booking.com solche betrügerischen Inserate ausreichend erkennt und verhindert. Als sehr große Online-Plattform unterliegt Booking.com besonders strengen Regeln des Digital Services Act und muss sogenannte systemische Risiken für seine Nutzer bewerten und reduzieren.
Betrüger kennen echte Buchungsdaten
Besonders gefährlich sind derzeit Phishing-Angriffe, bei denen Kriminelle über erstaunlich genaue Informationen verfügen. Opfer erhalten beispielsweise Nachrichten mit ihrem richtigen Namen, der gebuchten Unterkunft, Reisedaten oder sogar der Buchungsnummer. Anschließend heißt es, mit der Zahlung stimme etwas nicht oder die Reservierung müsse dringend nochmals bestätigt werden.
Auch das österreichische CERT warnte im August vor vermehrten Betrugsversuchen rund um Buchungsplattformen wie Booking.com. Die Täter gelangen demnach unter anderem durch kompromittierte Konten oder Datenlecks an echte Buchungsinformationen. Teilweise übernehmen Kriminelle sogar Accounts von Unterkünften und kontaktieren Gäste über scheinbar offizielle Kommunikationswege.
Die Nachricht enthält anschließend meist einen Link zu einer täuschend echt nachgebauten Website. Dort sollen Reisende ihre Kreditkarten- oder Bankdaten erneut eingeben. Häufig wird zusätzlicher Druck aufgebaut: Wer nicht sofort reagiert, müsse angeblich mit einer Stornierung oder einem höheren Preis rechnen.
Auch Werbung wird überprüft
Die EU-Kommission untersucht außerdem die Darstellung bezahlter Platzierungen auf Booking.com. Konkret geht es um die Frage, ob Unterkünfte, die gegen Bezahlung prominenter in den Suchergebnissen erscheinen, für Nutzer ausreichend deutlich als Werbung oder gesponserte Platzierung erkennbar sind.
EU-Digitalkommissarin Henna Virkkunen machte deutlich, worum es der Kommission geht: Europäische Verbraucher sollen ihren Urlaub buchen können, ohne dabei Angst haben zu müssen, Opfer von Betrügern zu werden.
Hohe Strafen möglich
Noch ist nicht entschieden, ob Booking.com tatsächlich gegen EU-Recht verstoßen hat. Das nun eröffnete Verfahren soll genau das klären. Sollte die Kommission am Ende Verstöße gegen den Digital Services Act feststellen, können gegen sehr große Plattformen Geldbußen von bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes verhängt werden.
Darauf sollten Reisende achten
Für Urlauber ist vor allem eines wichtig: Auch Nachrichten mit korrekten persönlichen Daten sind nicht automatisch echt. Besondere Vorsicht ist geboten, wenn plötzlich eine neuerliche Zahlung, eine Änderung der Zahlungsmethode oder die Eingabe von Kreditkartendaten über einen externen Link verlangt wird.
Booking.com selbst weist darauf hin, dass das Unternehmen seine Kunden nicht per E-Mail, SMS, Telefon oder WhatsApp zur Übermittlung von Kreditkartendaten auffordert. Bei verdächtigen Nachrichten sollte die Buchung deshalb direkt über die Booking.com-App oder die offizielle Website kontrolliert und im Zweifel der Kundenservice kontaktiert werden.
Das österreichische CERT empfiehlt außerdem, neue oder ungewöhnlich günstige Unterkünfte genauer zu überprüfen, Bewertungen auf mehreren Plattformen zu vergleichen und die angegebene Adresse beispielsweise über Kartendienste zu kontrollieren. Besonders skeptisch sollten Reisende werden, wenn sie unter Zeitdruck gesetzt oder zu Zahlungen außerhalb der bekannten Buchungswege aufgefordert werden.