Millionenverluste, hohe Schulden und wachsender Druck durch KI: Getty Images hat in den USA ein Chapter-11-Verfahren eingeleitet und will sich mit neuem Kapital und weniger Schulden neu aufstellen.
Der US-amerikanische Bildanbieter Getty Images hat am Mittwoch ein freiwilliges Chapter-11-Verfahren beim US-Insolvenzgericht im Bundesstaat Delaware eingeleitet. Dabei handelt es sich um ein bereits mit den wichtigsten Gläubigern abgestimmtes Sanierungsverfahren, mit dem das Unternehmen seine Schulden reduzieren und anschließend vollständig in privaten Besitz übergehen will.
Getty Images will den Geschäftsbetrieb während des Verfahrens normal fortführen. Nach Angaben des Unternehmens soll es keine Auswirkungen auf Mitarbeiter, Fotografen und andere Content-Lieferanten, Kunden, Partner oder Lieferanten geben. Die Restrukturierung soll nach derzeitigem Plan noch bis Ende 2026 abgeschlossen werden.
Bis zu 533 Millionen Dollar neues Kapital
Grundlage des Verfahrens ist eine Mitte Oktober vereinbarte Restrukturierung mit den wichtigsten Kapitalgebern. Mitglieder der Getty-Familie und Koch Equity Development wollen gemeinsam bis zu 533 Millionen Dollar an neuem Eigenkapital bereitstellen.
Gleichzeitig sollen die Schulden deutlich reduziert werden. Gläubiger, die einen Großteil der unbesicherten Anleihen halten, haben zugestimmt, 270 Millionen Dollar an ausstehenden Anleihen abzubauen. Bei besicherten Krediten sollen außerdem Zinsverpflichtungen reduziert und Laufzeiten verlängert werden.
Für die Zeit während des Chapter-11-Verfahrens stehen Getty Images nach eigenen Angaben zudem bis zu 143 Millionen Dollar an Finanzierung durch Koch Equity Development zur Verfügung. Zusammen mit den laufenden Einnahmen soll dies den normalen Geschäftsbetrieb sichern.
206 Millionen Dollar Verlust
Die finanzielle Lage des Unternehmens ist seit längerem angespannt. Getty Images erzielte 2025 einen Umsatz von rund 981,3 Millionen Dollar, verbuchte gleichzeitig aber einen Nettoverlust von rund 206,2 Millionen Dollar. Ein Jahr zuvor hatte das Unternehmen noch einen Nettogewinn von knapp 39,5 Millionen Dollar ausgewiesen.
Auch 2026 blieb Getty in den roten Zahlen. Im ersten Halbjahr belief sich der Nettoverlust auf rund 90,2 Millionen Dollar. Das Unternehmen verwies zuletzt neben seiner hohen Schuldenlast auch auf Veränderungen im Markt für digitale Bildinhalte und den zunehmenden Wettbewerb durch KI-generierte Bilder.
Shutterstock-Fusion gescheitert
Zusätzlichen Druck brachte das Scheitern der geplanten Fusion mit dem Konkurrenten Shutterstock. Die britische Wettbewerbsbehörde CMA hatte im Mai entschieden, dass der Zusammenschluss nur unter bestimmten Bedingungen weitergehen könne. Shutterstocks gesamtes redaktionelles Geschäft hätte an einen von der Behörde akzeptierten Käufer verkauft werden müssen.
Getty Images entschied Ende Juni, diese Bedingung nicht umzusetzen. Am 7. Juli 2026 wurde der Fusionsvertrag mit Shutterstock schließlich offiziell beendet.
Getty Images wird wieder privat
Auch an der Börse geriet Getty Images zuletzt unter erheblichen Druck. Aufgrund des stark gefallenen Aktienkurses leitete die New York Stock Exchange Ende September ein Delisting-Verfahren ein und setzte den Handel mit der Getty-Aktie aus. Seit 30. September wird die Aktie außerbörslich gehandelt.
Nach erfolgreichem Abschluss der Restrukturierung sollen Beteiligungsgesellschaften der Getty-Familie und von Koch Equity Development 100 Prozent des neu aufgestellten Unternehmens besitzen. Getty Images wäre damit wieder vollständig in privater Hand.