Weniger Ärzte, längere Wartezeiten und möglicherweise geschlossene Abteilungen: Am Wiener AKH wächst die Sorge vor einem geplanten Sparpaket.
Der Betriebsrat des wissenschaftlichen Universitätspersonals der Medizinischen Universität Wien warnt vor weitreichenden Folgen der geplanten Einsparungen im Universitätsbereich. Nach seiner Einschätzung könnten am Allgemeinen Krankenhaus (AKH) Wien bis zu 200 ärztliche Stellen und weitere 500 Arbeitsplätze wegfallen. In einem offenen Brief appelliert der Betriebsrat an Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner, Finanzminister Markus Marterbauer, Bürgermeister Michael Ludwig und Gesundheitsstadtrat Peter Hacker, die möglichen Auswirkungen auf die medizinische Versorgung zu berücksichtigen.
Hintergrund sind die laufenden Verhandlungen über die Finanzierung der öffentlichen Universitäten für die Jahre 2028 bis 2030. Während die Universitätenkonferenz (uniko) einen Finanzierungsbedarf von 18 Milliarden Euro geltend macht, stehen derzeit 15,5 Milliarden Euro im Raum. Für die laufende Periode von 2025 bis 2027 waren insgesamt 16,5 Milliarden Euro vorgesehen. Zusätzlich sollen die Universitäten künftig jährlich rund 100 Millionen Euro für Ärztegehälter an den Universitätskliniken selbst finanzieren.
Weniger Operationen, längere Wartezeiten
Die möglichen Folgen für Patientinnen und Patienten könnten erheblich sein. Laut Betriebsrat würde weniger ärztliches Personal bedeuten, dass weniger Operationssäle gleichzeitig betrieben werden könnten und weniger Termine in Ambulanzen zur Verfügung stünden. Dadurch könnten sich Wartezeiten verlängern.
Besonders kritisch wäre die Entwicklung bei komplexen Erkrankungen, etwa Krebs, Herzproblemen oder seltenen Krankheiten. Das AKH ist ein zentraler Standort für hochspezialisierte Behandlungen, die nicht in jedem Krankenhaus angeboten werden. Sollten dort Kapazitäten wegfallen, müssten andere Spitäler zusätzliche Patientinnen und Patienten versorgen.
Sogar ganze Abteilungen könnten betroffen sein
Der Betriebsrat warnt, dass im schlimmsten Fall nicht nur einzelne Betten oder Ambulanzen gesperrt werden müssten, sondern auch ganze Abteilungen gefährdet wären. Das könnte weitreichende Folgen für die Wiener Gesundheitsversorgung haben: Nach Angaben des Betriebsrats übernimmt das AKH rund ein Drittel der medizinischen Versorgung im Großraum Wien.
Andere Krankenhäuser und Ordinationen müssten zusätzliche Patientinnen und Patienten aufnehmen. Da viele Einrichtungen bereits stark ausgelastet sind, könnte das den Druck auf das gesamte Gesundheitssystem weiter erhöhen.
Auch Nacht- und Wochenenddienste in Gefahr
Besonders brisant ist die Warnung vor möglichen Einschränkungen beim 24-Stunden-Betrieb. Laut Betriebsrat sind Nacht-, Feiertags- und zusätzliche Bereitschaftsdienste an eine Betriebsvereinbarung gebunden, die eine ausreichende Finanzierung des Personals voraussetzt.
Sollte diese finanzielle Grundlage wegfallen, könnte auch die Vereinbarung nicht in ihrer bisherigen Form aufrechterhalten werden. Nacht- und Wochenenddienste wären dann möglicherweise nicht mehr wie bisher besetzbar. Der Betriebsrat betont, dass es sich dabei nicht um eine angedrohte Maßnahme, sondern um mögliche Folgen der fehlenden Finanzierung handle.
Betriebsrat appelliert an die Politik
Mit seinem offenen Brief fordert der Betriebsrat die politischen Entscheidungsträger auf, die drohenden Auswirkungen bei den anstehenden Budgetverhandlungen zu berücksichtigen. In dem Schreiben heißt es: „Die Versorgungssicherheit von hunderttausenden Patientinnen und Patienten darf nicht zur Budgetreserve werden.“
Der Betriebsrat räumt ein, dass der Staat sparen muss. Einsparungen bei der medizinischen Versorgung könnten jedoch langfristig zusätzliche Kosten verursachen, wenn Behandlungen später erfolgen oder andere Krankenhäuser mehr Patientinnen und Patienten übernehmen müssen.
Eine endgültige Entscheidung über die Finanzierung der Universitäten für die Jahre 2028 bis 2030 steht noch aus. Wie stark das AKH tatsächlich von den geplanten Einsparungen betroffen sein wird, hängt daher von den weiteren Budgetverhandlungen ab.