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F-117

Tarnkappenbomber landet im Museum: Der einzige außerhalb der USA ist in Serbien

Tarnkappenbomber landet im Museum: Der einzige außerhalb der USA ist in Serbien
FOTO: iStock
5 Min. Lesezeit |

Fast alle erhaltenen F-117 Nighthawk befinden sich heute in den USA. Doch eines der spektakulärsten Kapitel in der Geschichte des legendären Tarnkappenjets liegt bis heute in Belgrad: Dort werden Wrackteile jener F-117 ausgestellt, die 1999 über Serbien abgeschossen wurde. Während in den USA nun eine weitere Maschine ins Smithsonian einzieht, rückt damit auch die außergewöhnliche Balkan-Geschichte des Flugzeugs wieder in den Fokus.

Ein besonderes Exemplar der F-117A Nighthawk hat Anfang Oktober seine letzte Reise angetreten. Die Maschine mit der Seriennummer 85-0818 und dem Spitznamen „The Overachiever“ wurde am 6. Oktober von Kalifornien nach Virginia transportiert. Allerdings flog sie nicht mehr selbst: Zerlegt in mehrere Teile befand sich das Flugzeug im Frachtraum einer C-5M Super Galaxy der US-Luftwaffe.

Die Maschine soll noch im Oktober im Steven F. Udvar-Hazy Center des Smithsonian National Air and Space Museum ausgestellt werden. „The Overachiever“ nimmt dabei einen besonderen Platz in der Geschichte der F-117 ein: Es ist die einzige bekannte Maschine dieses Typs, die Kampfeinsätze in allen vier großen Konflikten flog, in denen die F-117 eingesetzt wurde. Dazu gehörten Panama 1989, der Irak 1991, die NATO-Operation Allied Force gegen die Bundesrepublik Jugoslawien 1999 sowie der Irakkrieg 2003.

Der F-117 und Jugoslawien

Gerade der Einsatz über Jugoslawien sollte zu einem der bekanntesten Kapitel in der Geschichte des Tarnkappenflugzeugs werden. Die F-117 galt damals als Symbol für die technologische Überlegenheit der US-Luftwaffe. Ihre ungewöhnliche kantige Form, spezielle Materialien und eine möglichst geringe Radarsignatur sollten es gegnerischen Luftabwehrsystemen erheblich erschweren, das Flugzeug zu entdecken und zu verfolgen.

Die F-117 war allerdings nie tatsächlich „unsichtbar“. Der Begriff bezog sich auf die sogenannte Stealth-Technologie, durch die die Erfassbarkeit durch Radar stark reduziert wird. Am Abend des 27. März 1999 zeigte sich über Serbien, dass auch diese Technologie Grenzen hatte.

27. März 1999: Abschuss bei Buđanovci

Es war die vierte Nacht der NATO-Luftoperation Allied Force. Eine F-117A mit der Seriennummer 82-0806 und dem Funkrufzeichen „Vega 31“ befand sich nach einem Angriff auf dem Rückflug. Geflogen wurde sie vom US-Piloten Dale Zelko.

In der Nähe von Buđanovci, rund 45 Kilometer nordwestlich von Belgrad, wurde die Maschine von der jugoslawischen Luftabwehr erfasst und getroffen. Verantwortlich war die 3. Abteilung der 250. Flugabwehrraketenbrigade unter dem Kommando von Zoltan Dani. Eingesetzt wurde das sowjetische Flugabwehrraketensystem S-125 Newa, in der NATO als SA-3 bekannt.

Die F-117 stürzte bei Buđanovci ab. Zelko konnte sich mit dem Schleudersitz retten und versteckte sich anschließend in der Umgebung. Noch in derselben Nacht beziehungsweise in den frühen Morgenstunden wurde er von einem amerikanischen Such- und Rettungsteam geborgen. Der Abschuss blieb der einzige bestätigte Verlust einer F-117 durch Feindeinwirkung während ihrer gesamten Einsatzgeschichte.

Wie konnte der „Unsichtbare“ getroffen werden?

Wie genau es der jugoslawischen Luftabwehr gelang, die F-117 zu orten und erfolgreich anzugreifen, ist bis heute Gegenstand militärhistorischer Analysen. Klar ist, dass Danis Einheit ihre Radarstellungen häufig wechselte und dadurch versuchte, selbst nicht von NATO-Flugzeugen entdeckt und zerstört zu werden.

Analysen verweisen außerdem auf den Einsatz eines P-18-Radars mit vergleichsweise niedrigen Frequenzen. Hinzu kamen möglicherweise vorhersehbare Flugrouten der F-117. US-Militäranalysen diskutierten später zudem, ob die Maschine in bestimmten Situationen, etwa beim Öffnen des Waffenschachts oder während bestimmter Flugmanöver, vorübergehend leichter vom Radar erkannt werden konnte. Eine einzige simple Erklärung für den erfolgreichen Abschuss gibt es deshalb nicht.

Der Abschuss wurde in Serbien zum Symbol

Die Bilder des schwarzen Wracks auf einem Feld bei Buđanovci gingen 1999 um die Welt. In Serbien erhielt das Ereignis rasch eine weit über die militärische Bedeutung hinausgehende Symbolkraft. Einer der bekanntesten Sprüche jener Zeit lautete: „Izvinite, nismo znali da je nevidljiv“, auf Deutsch: „Entschuldigung, wir wussten nicht, dass er unsichtbar ist.“ Der Satz verbreitete sich als Graffiti und politischer Spott über die viel beworbene Stealth-Technologie.

Militärisch bedeutete der Abschuss allerdings keineswegs das Ende der Stealth-Technologie. Vielmehr wurden Einsatzplanung und Taktik weiterentwickelt. Die F-117 flog auch danach weitere Missionen und kam 2003 erneut im Irak zum Einsatz. Die US-Luftwaffe zog den Typ schließlich 2008 offiziell aus dem regulären Dienst zurück.

Wrackteile liegen bis heute in Belgrad

Ein Teil der abgeschossenen Maschine gelangte nach dem Absturz in das Luftfahrtmuseum in Belgrad, unmittelbar beim Flughafen Nikola Tesla. Dort werden bis heute größere Wrackteile der F-117 gemeinsam mit weiteren Überresten westlicher Flugzeuge und Waffensysteme aus dem Jahr 1999 gezeigt.

Dabei ist eine wichtige Unterscheidung notwendig: In Belgrad steht kein vollständiger F-117. Zu sehen sind Überreste der abgeschossenen Maschine 82-0806. Gerade das macht die Ausstellung jedoch einzigartig, denn es handelt sich um die Wrackteile des einzigen F-117, der jemals im Kampfeinsatz abgeschossen wurde.

Pilot trifft den Mann, der ihn abschoss

Die Geschichte bekam Jahre später noch eine unerwartete persönliche Fortsetzung. Dale Zelko und Zoltan Dani, also der amerikanische Pilot und der Kommandant jener Einheit, die seine Maschine abgeschossen hatte, trafen sich rund zwölf Jahre später persönlich in Serbien.

Aus der Begegnung entstand die Dokumentation „The Second Meeting“ des serbischen Regisseurs Željko Mirković. Der Film erzählt nicht nur die Geschichte des Abschusses, sondern auch davon, wie zwei ehemalige Kriegsgegner Jahrzehnte später miteinander ins Gespräch kamen und ihre Familien kennenlernten.

Damit existieren heute zwei sehr unterschiedliche Erinnerungsorte dieser Flugzeuggeschichte: In Virginia wird demnächst mit „The Overachiever“ eine F-117 ausgestellt, die an allen vier großen Kampfeinsätzen des Typs teilnahm. In Belgrad dagegen liegen die Überreste jener Maschine, deren Abschuss am 27. März 1999 den Mythos von der angeblichen „Unsichtbarkeit“ des F-117 erschütterte.

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KO KOSMO-Redaktion
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