Tirana brennt – buchstäblich. Albaniens Studierende sind auf die Straße gegangen, und der Funke kam aus unerwarteter Richtung.
Tausende Studierende strömten am Mittwoch in die Straßen von Tirana, um ihrem Unmut über Missstände im Bildungssystem lautstark Ausdruck zu verleihen. Den unmittelbaren Anstoß für die Eskalation lieferte ein geplantes Luxushotelprojekt in einem Naturschutzgebiet, das Verbindungen zu Ivanka Trump und Jared Kushner aufweist.
Die Protestierenden verlangten bessere Studienbedingungen, eine Senkung der Studienkosten, mehr finanzielle Förderung sowie verbesserte Jobperspektiven nach dem Abschluss. Darüber hinaus forderten Teile der Menge den Rücktritt von Premierminister Edi Rama.
Gewalt in Tirana
Die Lage vor dem Bildungsministerium geriet rasch außer Kontrolle: Demonstranten bewarfen das Gebäude mit Ziegelsteinen, eine Filiale der Raiffeisen Bank wurde in Brand gesetzt. Die Polizei reagierte mit Tränengas und Wasserwerfern.
Neben Demonstranten, Polizisten, Journalisten und Passanten wurde auch ein Mitarbeiter der österreichischen Botschaft verletzt, der das Krankenhaus jedoch wieder verlassen konnte. Insgesamt wurden 16 Personen festgenommen. ORF-Korrespondentin Cornelia Primosch fasste die Lage vor Ort so zusammen: „Die Polizei geht mit den Protestierenden nicht zimperlich um, allerdings stehen ihnen nicht nur Klosterschüler gegenüber.“
Manifestantes y estudiantes se enfrentaron este jueves con la policía albanesa en la capital, Tirana, por tercer día consecutivo, sumándose a un movimiento más amplio contra el gobierno en rechazo a un importante proyecto inmobiliario vinculado a Jared Kushner, yerno del presidente de Estados Unidos, Donald Trump. Video: APTN/Reuters
— NMás (@nmas) October 15, 2026
Politische Reaktionen
Auf politischer Ebene meldete sich die stellvertretende Ministerpräsidentin Albana Kociu zu Wort. Sie betonte: „Protestieren ist ein legitimes Recht. Dies dürfe jedoch kein Vorwand für Gewalt und Zerstörung sein.“
Auch die EU-Vertretung in Tirana zeigte sich besorgt und appellierte an alle Beteiligten, zur Deeskalation beizutragen. Albanien befindet sich in fortgeschrittenen Beitrittsverhandlungen mit der Europäischen Union, die einen EU-Beitritt bis 2030 anstreben. Viele Bürgerinnen und Bürger des Landes sehen sich von der politischen Elite jedoch nach wie vor im Stich gelassen.