Start NEWS PANORAMA Unabhängigkeit: Bosniens Kampf zwischen Zukunft und Vergangenheit
1.MÄRZ

Unabhängigkeit: Bosniens Kampf zwischen Zukunft und Vergangenheit

Unabhängigkeit-Bosnien-Herzegowina
(FOTO: BHDijaspora, Wikimedia Commons/LT. STACEY WYZKOWSKI)

Bosnien-Herzegowina, ehemalige Teilrepublik des kommunistischen Vielvölkerstaates Jugoslawien, erklärte am 1. März 1992 seine Unabhängigkeit. 27 Jahre danach ringt das Land noch immer um seine Freiheit.

Am 1. März 1992 verkündete Bosnien-Herzegowina seine Unabhängigkeit vom jugoslawischen Bundesstaat. Im Jahr 1991 hatte sich Bosnien-Herzegowina, so wie Slowenien und Kroatien zuvor, ebenfalls für die Unabhängigkeit erklärt. Daraufhin fand am 29. Februar und am 1. März 1992 in Bosnien-Herzegowina eine Volksabstimmung über die Frage der staatlichen Unabhängigkeit dieser Republik statt. Mehr als 99 Prozent der Abstimmenden sprachen sich für ein unabhängiges Bosnien-Herzegowina aus. Die Serbisch Orthodoxe Bevölkerung hatte den Urnengang boykottiert. Nach wie vor feiert nur die Föderation den Tag der Unabhängigkeit.

Am 17. April 1992 erfolgte die internationale Anerkennung Bosnien-Herzegowinas. Unmittelbar danach ereignete sich der schrecklichste Krieg seit dem zweiten Weltkrieg auf europäischem Boden. Völkermord, Zerstörung und ethnische Säuberungen fanden im damals noch jungen Land statt. Von 1992 bis 1995 dauerte der Krieg gegen Bosnien-Herzegowina und endete mit dem Abkommen von Dayton.

Der Waffenstillstand erfolgte, der gewünschte Frieden trat jedoch nicht ein. Im Wahljahr 2018 befand sich die nationalistische Rhetorik auf dem Höhepunkt. Die jungen Menschen verlassen das Land, um sich außerhalb ihrer Heimat ein Leben aufzubauen. Zurück bleiben Politiker aus den 90er Jahren, die ihre politische Berufsausbildung in den Kriegsjahren absolviert haben.

Es scheint als ob andere Länder mehr Interesse an Bosnien-Herzegowina zu hätten, als die Bosnier selbst. Die EU lockt mit einem Betritt, jedoch in weiter Zukunft. Russland liebäugelt mit der RS und die Türkei verschafft sich einen „verlängerten Arm“ durch Bildung, Medien, Kultur, um den Aufbau einer neo-osmanischen Identität zu kreieren. Diese Einflüsse von außen erschweren die Stabilität in einem Land, das nach wie vor aus zwei Hälften besteht. Eine Projektion von „imperialen“ Visionen in Bosnien-Herzegowina würde vermutlich zur Bosnischen Annexionskrisen 2.0 führen.

1992 hat sich Bosnien-Herzegowina, genau wie 1908, für Europa entschieden. Dafür nahm das Land viel in Kauf und zahlte einen hohen Preis. Dessen sollte sich die Europäische Union bewusst sein, mahnen die Intelektuellen des Landes. Denn die Zukunft der EU würde sich in Bosnien-Herzegowina widerspiegeln. Die Unabhängigkeit, Stabilität und Prosperität des Balkan-Landes sollten eine Priorität für die EU darstellen, um kollektive Sicherheit zu gewähren.

Alles Gute zum Unabhängigkeitstag, Bosnien und Herzegowina!