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Gesundheitsalarm

HIV- und Tripper-Fälle in Wien explodieren – Ärzte warnen

HIV- und Tripper-Fälle in Wien explodieren – Ärzte warnen
FOTO: iStock/Nansan Houn
3 Min. Lesezeit |

Alarmierende Zahlen aus Wien: Sexuell übertragbare Krankheiten nehmen drastisch zu. Bei Gonorrhö verzeichnet die Stadt einen 78-prozentigen Anstieg innerhalb einer Dekade.

Die Zahl der sexuell übertragbaren Erkrankungen in Wien zeigt einen besorgniserregenden Aufwärtstrend. Bei Gonorrhö-Infektionen wurde in den letzten zehn Jahren ein Anstieg von 78 Prozent verzeichnet. Mit Ausnahme der Corona-Jahre 2020 und 2021 ist seit 2014 ein stetiger Zuwachs zu beobachten. Die aktuellen Daten des Wiener Gesundheitsdienstes für 2024 belegen 1.710 neue Gonorrhö-Fälle und 485 Syphilis-Infektionen. Verglichen mit der Situation vor einem Jahrzehnt entspricht dies einer Zunahme von fast zwei Dritteln.

Die HIV-Statistik für Wien weist ebenfalls nach oben. Das Zentrum für Virologie der Medizinischen Universität Wien dokumentierte für 2024 insgesamt 214 neue HIV-Diagnosen – ein deutlicher Anstieg gegenüber den 183 Fällen des Vorjahres. Bei mehr als 75 Prozent der neu diagnostizierten Personen lag das Alter zwischen 20 und 50 Jahren.

Österreichweit steigender Trend

Die Entwicklung ist nicht nur auf Wien beschränkt. In Oberösterreich wurden 2024 insgesamt 312 Gonorrhö-Fälle und 98 Syphilis-Infektionen gemeldet – ein deutlicher Anstieg gegenüber den Vorjahren. Auch in der Steiermark stieg die Zahl der Gonorrhö-Fälle seit 2019 um mehr als 60 Prozent, wie aus Berichten der regionalen Gesundheitsbehörden hervorgeht.

Europaweites Problem

Der Anstieg sexuell übertragbarer Infektionen beschränkt sich nicht auf Wien, sondern stellt ein europaweites Phänomen dar, wie eine neue Untersuchung der Europäischen Gesundheitsagentur ECDC belegt. Die Zahlen sind dramatisch: Europaweit stieg die Zahl der Gonorrhö-Fälle seit 2014 um 300 Prozent, Syphilis-Fälle haben sich verdoppelt. Österreich weist dabei im europäischen Vergleich besonders hohe Werte bei Gonorrhö und Chlamydien auf.

Die Ursachen sind vielschichtig: Einerseits führt die höhere Testfrequenz zu mehr entdeckten Infektionen. Andererseits beobachten Wissenschaftler der Medizinischen Universität Wien Veränderungen im Sexualverhalten – insbesondere ungeschützter Geschlechtsverkehr mit wechselnden Partnern erhöht das Infektionsrisiko erheblich.

Eine aktuelle Umfrage der AIDS-Hilfen Österreich verdeutlicht, dass sexuell übertragbare Erkrankungen nach wie vor stark tabuisiert werden. Ein Viertel der Befragten hat mit ihrem Arzt noch nie über Sexualität gesprochen. Viele Betroffene schweigen aus Scham oder Angst. Die Aids Hilfe Wien kritisiert zudem Defizite in der medizinischen Versorgung: Nur bei etwa 20 Prozent der Befragten wurde das Thema von ärztlicher Seite aktiv angesprochen.

Forderung nach Strategie

Trotz steigender Infektionszahlen mangelt es laut Aids Hilfe Wien an Aufklärung, Bewusstsein und geeigneten Strukturen. Zum Welttag der sexuellen Gesundheit fordert die Organisation eine bundesweite Strategie und langfristige Unterstützungsmaßnahmen. Besonders wichtig sei ein unkomplizierter Zugang zu Beratungsangeboten, Testmöglichkeiten und Behandlungen.

Der Welttag der sexuellen Gesundheit findet am 4. September statt. Er wurde 2010 von der World Association for Sexual Health initiiert, um das globale Bewusstsein für sexuelle Gesundheit zu stärken.

Die AIDS-Hilfe nutzt diesen Anlass, um von politischen Entscheidungsträgern entschlossenes Handeln einzufordern.

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KO KOSMO-Redaktion
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