Was nach Science-Fiction klingt, ist längst Gegenstand ernsthafter Forschung – und rückt der Realität näher als je zuvor.
Chinesische und europäische Wissenschaftler verfolgen ein medizinisches Vorhaben, das bislang eher in den Bereich der Science-Fiction gehörte: die Transplantation des menschlichen Kopfes auf einen fremden Körper – mit dem erklärten Ziel, das menschliche Leben erheblich zu verlängern. An der Spitze dieser Forschung steht Xiaoping Ren, Leiter der Orthopädie-Abteilung am Zweiten Lehrkrankenhaus der Universität für Traditionelle Chinesische Medizin, der das Projekt mit Nachdruck vorantreibt.
Ren zeigt sich überzeugt von der grundsätzlichen Machbarkeit des Verfahrens. „Wenn wir den Körper jung halten und den Kopf darauf verpflanzen, dann haben wir aus wissenschaftlicher Sicht bereits den Beweis, dass dies möglich ist“, erklärte er. Entscheidend sei dabei, dass der Spenderkörper in einem möglichst jugendlichen Zustand gehalten werde. Erste Versuche an Tieren wurden bereits erfolgreich abgeschlossen.
Internationale Zusammenarbeit
Den Grundstein für die internationale Zusammenarbeit legte der italienische Neurochirurg Sergio Canavero mit seinem Projekt HEAVEN/AHBR (Forschungsprogramm zur Kopftransplantation am Menschen), das eigens auf die Erprobung von Kopftransplantationen am Menschen ausgerichtet ist. Im Jänner 2016 präsentierten Canavero und Ren der Öffentlichkeit Mäuse und Affen, denen Köpfe transplantiert worden waren. Darüber hinaus wurde in China eine rund 18-stündige Operation an verstorbenen Menschen durchgeführt – ein weiterer Schritt auf dem Weg zur klinischen Anwendung.
Technisches Instrumentarium
Technisch stützen sich die Eingriffe auf ein hochspezialisiertes Instrumentarium: Ultradünne Kohlenstoff-Nanomesser kommen beim Durchtrennen des Rückenmarks zum Einsatz, Polyethylenglykol (verbindungsfördernder Wirkstoff) soll die Verbindung der Nervenfasern fördern, und spezielle Stimulationsverfahren für das Rückenmark sollen die Wiederherstellung motorischer Funktionen unterstützen.
Das interdisziplinäre Forschungsfeld zieht weltweit wachsendes Interesse auf sich – wenngleich die ethischen Debatten rund um diese radikale Form der Transplantationsmedizin längst nicht verstummt sind.