Emmanuel und Brigitte Macron haben eine umfangreiche Verleumdungsklage gegen die amerikanische rechte Influencerin Candace Owens eingereicht. Das Präsidentenpaar wirft ihr vor, eine Kampagne der „globalen Demütigung“ und „unerbittliches Mobbing“ durch die Verbreitung „absurder, verleumderischer Fiktionen“ zu betreiben. Die Klage umfasst 218 Seiten und wurde Ende Juli in Delaware eingereicht.
Owens, die in sozialen Medien Millionen Follower erreicht, hatte im März 2024 öffentlich behauptet, ihre „gesamte berufliche Reputation“ darauf zu setzen, dass die französische First Lady als Mann geboren worden sei – angeblich unter dem Namen Jean-Michel Trogneux, dem tatsächlichen Namen von Brigittes älterem Bruder. Die Verschwörungstheorie geht noch weiter: Brigitte habe keines ihrer drei Kinder selbst zur Welt gebracht, und ihr erster Ehemann, angeblich ein 2020 verstorbener pensionierter Banker, habe nie existiert.
Die Ursprünge dieser Behauptungen lassen sich auf einen Artikel zurückführen, der 2021 im französischen rechtsextremen Magazin „Faits et Documents“ erschien. Größere Aufmerksamkeit erlangten die Anschuldigungen erst, als die rechtsextreme Bloggerin Natacha Rey und die Hellseherin Amandine Roy sie in einem viral gehenden YouTube-Interview thematisierten. Rey verbreitete die Verschwörungstheorie maßgeblich durch eigene Recherchen, auf die sich später auch Owens berief.
Vorherige Rechtsstreitigkeiten
In einem früheren Rechtsstreit hatten die Macrons bereits gegen Roy und Rey geklagt und in erster Instanz gewonnen. Das Urteil wurde jedoch im Juli 2025 vom Pariser Berufungsgericht mit Verweis auf „guten Glauben“ aufgehoben – eine Entscheidung, gegen die das Präsidentenpaar nun wiederum Berufung beim höchsten französischen Gericht eingelegt hat. Owens beruft sich bei ihren Behauptungen auf eine angeblich „gründliche Untersuchung“ der Bloggerin Rey.
Tom Clare, der Hauptanwalt der Macrons in diesem Fall, kündigte im BBC-Podcast „Fame Under Fire“ an, dass seine Mandanten bereit seien, „generisch und spezifisch“ zu beweisen, dass die Anschuldigungen falsch sind. Dazu würden „Expertengutachten wissenschaftlicher Natur“ vorgelegt werden. Auf die Frage nach Fotos von Brigitte Macron während ihrer Schwangerschaften erklärte er, dass solche Beweise vor Gericht präsentiert würden, wo entsprechende Regeln und Standards gelten.
Der Anwalt betonte die enorme Belastung für seine Mandanten: „Es ist unglaublich belastend zu denken, dass man sich selbst diesem Prozess unterziehen und solche Beweise vorlegen muss.“ Besonders für Brigitte Macron sei es schwierig, sich „auf sehr öffentliche Weise“ diesem Verfahren zu stellen. Dennoch sei sie bereit, „alles zu tun, um die Dinge richtigzustellen“.
Rechtliche Schritte
Für den Präsidenten stellten die Behauptungen zwar eine „Ablenkung“ dar, hätten ihn aber nicht „aus der Bahn geworfen“, so Clare. „Er ist nicht immun dagegen, nur weil er der Präsident eines Landes ist.“
In ihrer Klage fordern die Macrons Schadenersatz und Strafschadenersatz in nicht genannter Höhe. In einer begleitenden Erklärung betonten sie, dass sie sich erst nach wiederholten erfolglosen Aufforderungen zum Widerruf an ein Gericht gewandt hätten: „Frau Owens‘ Verleumdungskampagne war offensichtlich darauf ausgerichtet, uns und unsere Familien zu belästigen und Schmerzen zuzufügen sowie Aufmerksamkeit und Bekanntheit zu erlangen.“
Eine der Daily Mail zugespielte Erklärung präzisierte, dass Owens „eine absurde Erzählung über die Macrons verbreitet hat, einschließlich aufrührerischer und nachweislich falscher Anschuldigungen von Identitätsdiebstahl, Inzest, Gewaltverbrechen und Gedankenkontrolle“.