KOSMO: Was raten Sie Männern, bei denen kein organisches Problem vorliegt?
Dr Vesna Budić-Spasić: „Wenn das Problem ’im Kopf’ liegt, wie z.B. fehlende Liebe oder Anziehung, Stress, Existenzängste oder sogar Aberglaube, sollte der Mann selber einen Schnitt in seinem Leben machen und ’ein neues Kapitel’ aufschlagen. Vielleicht den Partner oder die Arbeit wechseln, warum nicht? Einfach den Schuh, der drückt, ausziehen! Wenn er zu viel geraucht hat, wäre es nicht schlecht abzuwägen zwischen der Sucht und dem Wunsch, den Hausfrieden wiederherzustellen.“
KOSMO: Welche Hilfsmittel verwenden Männer am häufigsten?
Dr Vesna Budić-Spasić: „Wenn das Alter das Problem ist und kein medizinischer Befund vorliegt, kann man sich auf Empfehlung des Arztes für gewisse Hilfsmittel entscheiden. Die meisten Männer gehen jedoch lieber in sogenannte Sexshops, um ihre Männlichkeit wiederzufinden. Das Angebot ist sehr breit und vielfältig, von verschiedenen mechanischen Hilfsmitteln über Tees und Salben bis zu ernsthaften Präparaten aus überwiegend östlicher Produktion in Form von Kapseln oder Tabletten.
Die Mittel kann man in Aphrodisiaka, die die Libido heben und so zu einer befriedigenden sexuellen Beziehung führen können, und Mittel, die die Penetrationskraft des männlichen Geschlechtsorgans stärken, einteilen. Zu den sanften natürlichen Präparaten gehören z.B. Winterbohnenkraut-Tee, Ginko, Ginseng, Yohimbin, Gelee Royal, Kürbiskerne, Walnüsse und Honig, Basilikum und aufgrund seines hohen Mangangehalts, der das Testosteron aktiviert, auch gutes Lammfleisch. Wenn keine andere Möglichkeit besteht, das Testosteron zu aktivieren, können Hormonpräparate auch als Injektion verabreicht werden, aber natürlich nur unter strenger ärztlicher Kontrolle.“
KOSMO: Wie sehr helfen pharmakologische Präparate bei der Lösung dieses Problems?
Dr Vesna Budić-Spasić: „Unter ärztlicher Kontrolle werden auch Mittel verschrieben, die nur auf Rezept erhältlich sind. Bekannte Präparate wie Viagra und Cialis gehören zur Gruppe der Medikamente, die die Blutgefäße erweitern und die Muskulatur des männlichen Geschlechtsorgans entspannen und auf diese Weise die lokale Durchblutung steigern, um eine Erektion zu erzielen. Diese Medikamente werden auch bei erhöhtem Blutdruck und vergrößerter Prostata gegeben, aber in den meisten Fällen werden sie doch als Potenzmittel angewendet.
Das sind pharmakologische Präparate, die natürlich auch Kontraindikationen haben und sehr gefährlich sein können, wenn bei der Einnahme übertrieben wird. Herzpatienten, die bestimmte kardiovaskuläre Medikamente nehmen, dürfen sie nicht verwenden, ebenso wie Patienten mit niedrigem Blutdruck, mit Leberschäden oder nach einem Schlaganfall. Auf Rezept kann auch ein Präparat genommen werden, das vor dem Geschlechtsverkehr direkt in den Kanal des männlichen Geschlechtsorgans gegeben oder mit einer Nadel in die Wurzel des Geschlechtsorgans injiziert wird, was aber eine besondere Ausbildung des Partners erfordert. Bei der Anwendung im Kanal kann es zu einem leichten Brennen kommen und man muss gut aufpassen, dass sich keine Infektion entwickelt.“
KOSMO: Gibt es auch für Männer, denen all diese Präparate nicht helfen, eine Lösung?
Dr Vesna Budić-Spasić: „Wenn keines dieser Medikamente zum gewünschten Erfolg führt, kann man sich noch für eine chirurgische Behandlung entscheiden, d.h. für den Einsatz einer sogenannten Penisprothese, die ihre Funktion mechanisch über einen Druckknopf im Hodensack erfüllt. Der Eingriff selbst stellt kein großes chirurgisches Problem dar. Er erfordert eine gewisse Vorbereitung, da man mindestens drei Monate vor der Operation ganz und gar mit dem Rauchen aufhören muss. Der Patient muss relativ gesund und in einem Alter sein, in dem eine sexuelle Aktivität noch vorausgesetzt wird. Theoretisch sollte die Krankenversicherung bei den richtigen Indikationen die Kosten übernehmen, aber das geschieht sehr selten. Meistens müssen Patienten, die sich für eine Operation entscheiden, die nicht gerade geringen Kosten selbst tragen.“