Markus Mahr, 29-facher ÖHB-Teamspieler, steht vor dem nächsten großen Schritt: Nach zwei erfolgreichen Jahren bei Bregenz Handball wechselt der Rückraumspieler zum deutschen Bundesligisten 1. VfL Potsdam. Im exklusiven Gespräch mit Kosmo spricht der „Spieler der Saison“ über seine Entwicklung, den Umgang mit Rückschlägen und seine Ziele in Deutschlands höchster Liga.
Du wurdest in der HLA MEISTERLIGA-Abstimmung 2024/25 offiziell als „Spieler der Saison“ ausgezeichnet.
Macht diese Auszeichnung den geplanten Neustart in Potsdam leichter, oder spürst du jetzt erst recht zusätzlichen Druck, dein Level zu bestätigen?
Markus Mahr: Die Auszeichnung ist natürlich eine tolle Bestätigung für mich und ein schönes Trostpflaster nach dem etwas unglücklichen Ende der letzten Saison. Druck ist für mich nichts Neues – der gehört einfach dazu, wenn man Handball spielt und liebt. Ich sehe das eher als Motivation, auf dem Feld weiterhin mein Bestes zu geben, gerade jetzt beim Neustart in Potsdam.
Wenn du auf die Saison zurückblickst: Welcher Aspekt deines Spiels hat sich am stärksten verbessert und war ausschlaggebend für den Award – Technik, Taktik, mentale Stärke oder etwas ganz anderes?
Markus Mahr: Ich habe besonders an meinem Wurf aus der Distanz gearbeitet. Mein Trainer in Bregenz hat das stark eingefordert, und obwohl ich anfangs skeptisch war, hat sich das wirklich ausgezahlt. Auch mental habe ich gelernt, mit Rückschlägen besser umzugehen, was natürlich wichtig ist.
Du hattest im Mai einen Nasenbeinbruch. Was ist genau passiert, wie geht es dir jetzt, und was hat dir mental in der Reha am meisten geholfen?
Markus Mahr: Der Bruch passierte im letzten Saisonspiel nach einem Vollkontakt. Die OP war ziemlich unangenehm, vor allem weil ich sie ohne Vollnarkose mitbekommen habe. Die ersten Tage habe ich nur durch den Mund geatmet, weil die Nase komplett ausgestopft war. Die Reha war hart, aber mental hat mir vor allem die Unterstützung von Familie und Team geholfen – das gibt Kraft, um wieder zurückzukommen.
Du bist in Atzgersdorf buchstäblich groß geworden. Gibt es Erlebnisse aus deiner Mini-Zeit, die deine heutige Spielweise noch beeinflussen? Hast du Rituale, die du aus der Jugendzeit beibehalten hast?
Markus Mahr: Handball begleitet mich schon seit meiner Kindheit in Atzgersdorf. Rituale sind eher simpel – ich tappe meine Finger nach dem Aufwärmen immer. Die Begeisterung und der Spaß aus der Mini-Zeit sind geblieben und prägen meine Einstellung zum Sport.
Dein Vater Christian ist Präsident von WAT Atzgersdorf. Wie hat das dein sportliches Leben beeinflusst?
Markus Mahr: Das ist ein Family Business, würde ich sagen. Es ist einerseits hilfreich, weil er viele Dinge schon vorher weiß und mich informiert. Andererseits ist es auch manchmal anstrengend, wenn alles zuhause ständig um Handball kreist. Aber insgesamt ist das eine tolle Unterstützung.
Der Wechsel zur kommenden Saison nach Potsdam – wann war dir klar, dass die deutsche Bundesliga der nächste logische Schritt ist? Wie groß wird die Umstellung?
Markus Mahr: Nach zwei Jahren in Bregenz war für mich klar, dass ich mich weiterentwickeln will. Die Bundesliga ist dafür perfekt. Die Umstellung wird vor allem wegen der höheren Spielanzahl herausfordernd, vom Training her ist es aber ähnlich. Ich freue mich auf die neuen Aufgaben.
Auf welche Atmosphäre in der MBS-Arena in Potsdam freust du dich am meisten?
Markus Mahr: Die MBS-Arena ist bekannt für ihre professionelle und laute Stimmung. Ich bin gespannt auf mein erstes Spiel dort und hoffe, dass die Fans uns richtig pushen.
Noch zehn Sekunden, unentschieden, Ball bei dir – was ist dein „Go-to-Move“?
Markus Mahr: In solchen Situationen gehe ich meist direkt in den Kontakt, um einen Wurf aus kurzer Distanz zu suchen oder vielleicht sogar einen Siebenmeter zu erzwingen.
Beim Rückblick auf den Titelgewinn 2022/23 mit West Wien – welcher Moment bleibt dir besonders im Kopf, wenn es eng wird?
Markus Mahr: Die Finalserie war intensiv, aber vor allem das Teamgefühl hat mich beeindruckt. Das Miteinander hat uns durch die engsten Phasen getragen.
Stell dir vor, wir sprechen 2030 wieder – woran würdest du erkennen, dass du „alles richtig gemacht“ hast?
Markus Mahr: Wenn ich regelmäßig in der Bundesliga spiele, eine wichtige Rolle im Team habe und meine Leidenschaft für den Sport nie verloren habe – dann weiß ich, dass ich alles richtig gemacht habe.
Wie sieht ein typischer Off-Season-Tag bei dir aus?
Markus Mahr: Ich stehe meist gegen 9 Uhr auf, frühstücke kurz und mache dann 1,5 bis 2 Stunden Training, meistens Krafttraining. Danach verbringe ich Zeit mit Freunden oder meiner Freundin. Schlaf ist mir wichtig, ich versuche, vor Mitternacht ins Bett zu gehen.

Handball und Leben
Wie sähe für dich der perfekte Nachwuchstrainer aus – fachlich und menschlich?
Markus Mahr: Ein guter Nachwuchstrainer sollte ein Vorbild sein und alle technischen Grundlagen gut vermitteln können. Die besten Trainer im Nachwuchsbereich sind diejenigen, die Spaß vermitteln und junge Talente gezielt fördern.
Welche Handball-Regel würdest du ändern, wenn du allein entscheiden dürftest?
Markus Mahr: Ich finde es unfair, dass bei Flügelspielern oft schon bei leichtem Kontakt ein Siebenmeter gepfiffen wird, während Aufbau-Spieler bei ähnlichem Kontakt meist nicht bestraft werden. Da würde ich gerne für mehr Gleichheit sorgen.
Welchen Rat würdest du deinem 10-jährigen Ich mit auf den Weg geben?
Markus Mahr: Bleib dran, hab Spaß und sei geduldig – der Weg zum Profi ist lang, aber jeder Schritt zählt.
Für unsere ganz jungen Leser: Warum ist Handball so ein toller Sport?
Markus Mahr: Handball ist schnell, kraftvoll und emotional. Die Nähe zu den Fans macht es besonders mitreißend – das ist ein unglaubliches Gefühl.
Zurück zu Atzgersdorf
Family Business oder sportliche Distanz? Wie gelingt es euch zuhause, Handball-Alltag und Familienleben zu trennen? Oder gehört der sportliche Austausch beim Abendessen einfach dazu?
Markus Mahr: Der Handball gehört bei uns einfach dazu. Es ist oft ein Thema beim Essen, aber man lernt auch, den Sport und das Privatleben zu trennen. Mit zunehmendem Alter gelingt mir das besser.
Der Verein hat mit den Damen schon große Erfolge gefeiert, unvergessen bleibt der Meistertitel 2019. Wo siehst du Atzgersdorf in fünf Jahren?
Markus Mahr: Ich hoffe, dass wir in fünf Jahren noch erfolgreicher sind, vor allem in der männlichen Jugend. Es wäre wichtig, dass die Spieler dem Verein treu bleiben, damit Atzgersdorf weiterhin erfolgreich bleibt – ähnlich wie die Damenmannschaft. Ich sehe uns mit zwei Mannschaften in der ersten Liga.