Keine Artikel gefunden
Versuche einen anderen Suchbegriff
Ungleichheit

Vermögens-Kluft: Reichste 10% besitzen mehr als die Hälfte Österreichs

Vermögens-Kluft: Reichste 10% besitzen mehr als die Hälfte Österreichs
Foto: iStock
3 Min. Lesezeit |

Die reichsten zehn Prozent besitzen mehr als die Hälfte des Vermögens, während die ärmere Hälfte mit vier Prozent auskommen muss. Doch die Kluft wächst nicht weiter.

Das Nettovermögen in Österreich bleibt weiterhin stark ungleich verteilt. Aktuelle Erhebungen der Österreichischen Nationalbank zeigen, dass die wohlhabendsten zehn Prozent der Haushalte mehr als die Hälfte des gesamten Vermögens besitzen, während die untere Hälfte der Bevölkerung zusammen auf lediglich vier Prozent kommt. Positiv zu vermerken ist jedoch, dass sich diese Vermögensschere im Verlauf der letzten Dekade nicht weiter geöffnet hat.

Die Studienautoren weisen darauf hin, dass internationale Vergleiche aufgrund unterschiedlicher institutioneller Rahmenbedingungen mit Vorsicht zu betrachten sind. Nationalbank-Gouverneur Martin Kocher betonte bei der Präsentation am Donnerstag, dass Österreichs robuste soziale Absicherungssysteme und das funktionierende öffentliche Pensionssystem die Nachteile eines geringeren Vermögensaufbaus für weniger begüterte Bevölkerungsschichten erheblich abmildern.

Die präsentierten Daten stammen aus der fünften Erhebungswelle der „Household Finance and Consumption Survey“ (HFCS 2023), mit der die Österreichische Nationalbank seit 2010 systematisch das Vermögen privater Haushalte erfasst. Für die aktuelle Auswertung haben die Ökonomen der Nationalbank die Befragungsergebnisse mit weiteren volkswirtschaftlichen Kennzahlen verknüpft, um auch jüngere Entwicklungen abbilden zu können.

Vermögensverteilung konkret

Die Untersuchung zeigt, dass etwa die Hälfte der österreichischen Bevölkerung in Eigenheimen lebt und 80 Prozent der Haushalte über mindestens ein Kraftfahrzeug verfügen. Finanzvermögen ist nahezu flächendeckend vorhanden, wobei Giro- und Sparkonten die häufigste Form darstellen. Deutliche Unterschiede offenbaren sich zwischen den Geschlechtern, wie Nationalbank-Volkswirt Martin Schürz hervorhebt: „Frauen verfügen nicht nur über weniger Arbeitseinkommen, was hinreichend belegt wurde, sondern sie verfügen auch über weniger Vermögen.“

Ein Drittel aller Haushalte ist mit Schulden belastet, vorwiegend in Form von Hypothekarkrediten, die fast ausnahmslos durch den Hauptwohnsitz besichert sind. Unbesicherte Darlehen fallen volumenmäßig deutlich geringer aus. Im europäischen Vergleich zeigt sich, dass die Verschuldungsquote österreichischer Haushalte relativ niedrig liegt.

Sparverhalten 2024

Die traditionell hohe Sparneigung der Österreicherinnen und Österreicher hat 2024 einen neuen Höchststand erreicht. Von den nicht für Konsum verwendeten verfügbaren Mitteln in Höhe von rund 34 Milliarden Euro flossen laut Notenbank beachtliche 79 Prozent in Finanzanlagen. Mitte 2025 summierte sich das finanzielle Gesamtvermögen des österreichischen Haushaltssektors auf 936,7 Milliarden Euro. Den größten Anteil machen dabei Bankeinlagen mit 36 Prozent aus, gefolgt von Beteiligungen an GmbHs, Privatstiftungen und ähnlichen Rechtsformen (24 Prozent) sowie Wertpapieren (21 Prozent).

Erstmals konnte die Österreichische Nationalbank auch Daten zur Verbreitung von Kryptowährungen erheben. Diese spielen in Österreich bislang eine untergeordnete Rolle – lediglich 3,9 Prozent aller Haushalte haben in diese Anlageklasse investiert. Der Medianwert dieser Investments liegt bei 3.000 Euro und macht typischerweise weniger als ein Fünftel des jeweiligen Finanzvermögens aus.

Die Studienautoren charakterisieren Krypto-Anleger überwiegend als risikofreudige junge Männer.