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Einberufung

Wehrpflicht-Comeback: 1300 junge Kroaten müssen in die Kaserne

Wehrpflicht-Comeback: 1300 junge Kroaten müssen in die Kaserne
(FOTO: iStock)
3 Min. Lesezeit |

Kroatiens Militär ruft die Jugend: Ab März müssen 1300 junge Männer zur Grundausbildung antreten – wer nicht erscheint, riskiert saftige Strafen.

Einberufungen starten

In der kommenden Woche beginnt in Kroatien die Versendung von Einberufungsbescheiden für die militärische Grundausbildung. Fast 1300 junge Männer des Jahrgangs 2007 werden offizielle Einladungen zum Wehrdienst erhalten. Wer auf die Einberufung nicht reagiert, muss mit empfindlichen Geldstrafen zwischen 500 und 5000 Euro rechnen.

Obwohl Verteidigungsminister Ivan Anusic ursprünglich einen Start im Jänner angekündigt hatte, wurde der Beginn der Wehrpflicht verschoben. Die ersten Rekruten werden nun am 1. März in den Kasernen von Požega, Knin und Slunj erwartet. Während der zweimonatigen Grundausbildung erhalten die jungen Männer eine monatliche Vergütung von rund 1100 Euro, die Zeit wird ihnen zudem als Dienstzeit angerechnet.

Von den 800 Rekruten der ersten Einberufungswelle haben sich bereits 200 freiwillig zum Dienst gemeldet. Vor Antritt der eigentlichen Ausbildung müssen alle Kandidaten eine umfassende ärztliche Untersuchung bei einem der 85 dafür vorgesehenen Mediziner durchlaufen.

Medizinische Prüfung

Die Fachärztin für Arbeits- und Sportmedizin Almenka Balenovic erläutert den Umfang dieser Untersuchungen: „Sie beinhalten eine vollständige Anamnese, EKG, Seh- und Hörtests sowie Laboruntersuchungen. Hinzu kommen psychologische Tests zur Beurteilung der Intelligenz und Kommunikationsfähigkeit.“ Die Untersuchungen beginnen in der zweiten Februarhälfte zunächst in Zagreb und Split und werden später auf ganz Kroatien ausgeweitet.

Mit dem Eintritt in die Kaserne gelten für die Rekruten strenge Regeln: Mobiltelefone dürfen nur in der Freizeit genutzt werden, der Sonntag ist als einziger Tag dienstfrei, und das Verlassen der Kaserne ist nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Kommandanten erlaubt. Vorgeschrieben ist zudem ein kurzer Haarschnitt, während Tätowierungen kein Hindernis für den Dienst darstellen.

In Osijek zeigen sich viele junge Menschen aufgeschlossen gegenüber der Wehrpflicht. „Jeder junge Mensch sollte zum Militär gehen. Man erwirbt dort gute Gewohnheiten und Fähigkeiten – die Erfahrung ist unbezahlbar“, meint Ugljesa. Sein Freund Gabriel Tadic findet das System „nützlich und völlig in Ordnung“, plant jedoch, sein Studium fortzusetzen und den Wehrdienst vorerst aufzuschieben.

Alternative Dienste

Für Kriegsdienstverweigerer aus Gewissensgründen bietet Kroatien Alternativen: Sie können ihren Dienst entweder drei Monate im Zivilschutz oder vier Monate in kommunalen Einrichtungen ableisten. „Es ist gut, dass diese Möglichkeit besteht. Es wäre nicht gerecht, jemanden gegen sein Gewissen zu etwas zu zwingen“, betont Antonio aus Osijek.

In Slavonski Brod hat Bürgermeister Mirko Duspara bereits konkrete Pläne für Wehrdienstverweigerer entwickelt. Sie könnten ihren Ersatzdienst in städtischen Betrieben oder Einrichtungen wie Schulen, Kindergärten, Galerien sowie bei der Kommunalverwaltung, der Wasser- oder Gasversorgung ableisten. Wer die militärische Grundausbildung absolviert, kann eine Karriere bei den Streitkräften anstreben. Alle anderen bleiben bis zum 55. Lebensjahr Teil der Reserveeinheit der kroatischen Armee.