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Pleitewelle

5 Milliarden Euro Schulden: Österreich versinkt in historischer Pleitewelle

5 Milliarden Euro Schulden: Österreich versinkt in historischer Pleitewelle
FOTO: iStock/Ralf Geithe
3 Min. Lesezeit |

Die Wirtschaftskrise schlägt mit voller Wucht zu: Österreich steuert auf ein nie dagewesenes Insolvenzrekordjahr zu, während die Geschäftsstimmung am Boden liegt.

Österreich bewegt sich auf ein historisches Hoch bei Firmeninsolvenzen zu. „Es scheint, dass Österreich auf ein Insolvenzrekordjahr zusteuert. So viele Insolvenzen gab es noch nie in der Geschichte der Zweiten Republik“, erklärt Gerhard M. Weinhofer, Geschäftsführer des Gläubigerschutzverbandes Creditreform. Der seit dem Pandemieende anhaltende Anstieg an Unternehmenspleiten setze sich unvermindert fort. Eine Umfrage des Gläubigerschutzverbandes unter 1.400 österreichischen Unternehmen im Frühjahr zeige eine Geschäftsstimmung auf dem Tiefpunkt.

Die Halbjahresbilanz offenbart einen Anstieg der Firmenpleiten um 8,9 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, wie Creditreform mitteilt. Landesweit meldeten 3.662 Unternehmen Zahlungsunfähigkeit an, davon 580 in Niederösterreich – was dort allerdings einem Rückgang von 4,4 Prozent entspricht. Die Gesamtschuldenlast der insolventen Firmen beläuft sich auf etwa fünf Milliarden Euro, wobei rund 8.000 Arbeitsplätze betroffen sind.

Größte Pleiten

Die Palmers Textil AG führt mit 515 betroffenen Beschäftigten die Liste der mitarbeiterstärksten Insolvenzen in Niederösterreich an. Bei den Verbindlichkeiten steht die zur Signa gehörende Herkules Holding mit 1,02 Milliarden Euro an der Spitze. Regional betrachtet verzeichnen Tirol (+29,4 Prozent), Salzburg (+24,2 Prozent) und Wien (+14,6 Prozent) die stärksten Zuwächse im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Rückläufige Entwicklungen zeigen sich in Vorarlberg (-20,2 Prozent), im Burgenland (-15 Prozent) und in Niederösterreich (-4,4 Prozent). Laut Creditreform besteht im Osten des Landes generell ein höheres Insolvenzrisiko für Unternehmen.

Branchenrisiken unterschiedlich verteilt

Für die wirtschaftliche Gesamtentwicklung zentrale Sektoren wie Industrie und Bauwesen scheinen das Schlimmste überstanden zu haben. In beiden Branchen sind die Insolvenzzahlen zuletzt gesunken, obwohl sie nach wie vor zu den am stärksten betroffenen Wirtschaftszweigen zählen. Die meisten Insolvenzanmeldungen entfallen österreichweit auf den Handelssektor. Auch im Dienstleistungsbereich sowie bei Finanzdienstleistungen verzeichnen die Gläubigerschutzverbände im ersten Quartal 2025 besonders viele Verfahren. Besonders alarmierend ist die Situation im Transportwesen und in der Kredit- und Versicherungsvermittlung, wo die Insolvenzquote mit jeweils über 25 von 1.000 Unternehmen besonders hoch liegt. Die Sachgütererzeugung und die Informationsbranche weisen hingegen deutlich geringere Insolvenzraten auf.

Angesichts der angespannten Unternehmensstimmung fordert der Gläubigerschutzverband schnelle Maßnahmen zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts und der Wettbewerbsfähigkeit.

Kleine Unternehmen besonders gefährdet

Die Insolvenzstatistik offenbart ein deutliches Gefälle nach Unternehmensgröße. Über 80 Prozent der Insolvenzverfahren betreffen Betriebe mit weniger als 20 Beschäftigten. Kleinunternehmen sind besonders anfällig für wirtschaftliche Turbulenzen, da sie typischerweise über geringere finanzielle Reserven verfügen und weniger Spielraum für Kostenanpassungen haben. Größere Unternehmen melden zwar seltener Insolvenz an, wenn sie jedoch in die Zahlungsunfähigkeit geraten, ist die Zahl der betroffenen Arbeitsplätze deutlich höher. Die geografische Verteilung des Insolvenzrisikos bleibt ungleich: Während Vorarlberg die niedrigste Insolvenzrate im Bundesländervergleich verzeichnet, sind Unternehmen in der Bundeshauptstadt Wien überdurchschnittlich stark betroffen.

Privatinsolvenzen sinken

Im Gegensatz zu den Unternehmenspleiten entwickeln sich die Privatinsolvenzen im ersten Halbjahr 2025 positiv. Trotz der wirtschaftlichen Herausforderungen sank ihre Gesamtzahl um 0,6 Prozent auf 4.975 Verfahren. In Niederösterreich wurden 723 Privatinsolvenzen registriert, was einem leichten Anstieg von 0,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht. „Die Österreicherinnen und Österreicher erweisen sich als weniger insolvenzgefährdet als vor der Pandemie“, so Weinhofer. Hauptursache für Privatinsolvenzen sei weniger die allgemeine Teuerung als vielmehr ein unvorsichtiger Umgang mit finanziellen Mitteln.

Im Bundesländervergleich zeigt das Burgenland den stärksten Rückgang (-21,1 Prozent), gefolgt von der Steiermark (-15,3 Prozent) und Tirol (-14 Prozent). Wien bildet mit einem deutlichen Anstieg von 8,8 Prozent eine Ausnahme vom positiven Trend.

Mehr als ein Drittel aller Privatinsolvenzen entfällt auf die Bundeshauptstadt.