Putin setzt auf eine neue Rekrutierungsstrategie. Mittlerweile hat man rund 10.000 kürzlich eingebürgerte Männer, oftmals unter Zwang, an die Front geschickt, um im Konflikt gegen die Ukraine zu kämpfen.

„Über 30.000 Migranten, die russische Staatsbürger wurden und sich dem Wehrdienst entziehen wollten, wurden aufgegriffen. Etwa 10.000 von ihnen wurden in das Gebiet der sogenannten militärischen Spezialoperation entsandt,“ erklärte Alexander Bastrykin, Leiter des russischen Ermittlungskomitees, bei einem Forum in Sankt Petersburg. Bastrykin, ein Kollege von Putin aus Studientagen, identifiziert die eingebürgerten Frontkämpfer vornehmlich in Rollen wie Schützengrabenbau und Errichtung von Befestigungen. „Das erfordert zweifellos starke Hände“, so Bastrykin.
Regelmäßig Zwangsrekrutierungen
Die Vorgehensweise der Zwangsrekrutierung hat sich in den vergangenen Monaten etabliert. Mit wiederholten Razzien bei Unternehmen, die vor allem Gastarbeiter aus den postsowjetischen Staaten Zentralasiens beschäftigen. Russische Medien berichten, dass man diesen bereits eingebürgerten Migranten oft keine Wahl lässt. Man stellt einigen sogar ein beschleunigtes Einbürgerungsverfahren in Aussicht, wenn sie sich bereit erklären, an die Front zu gehen.
Suche nach Alternativen zur Mobilmachung
Angesichts der Gesamtzahl von 700.000 russischen Soldaten, die derzeit laut Präsident Putin im Einsatz sind – darunter diejenigen, die während einer Teilmobilmachung im Herbst 2022 rekrutiert wurden – steht der Kreml vor der Herausforderung, die Truppenstärke aufrechtzuerhalten, ohne auf erneute Mobilmachungen zurückzugreifen. Diese waren in der russischen Bevölkerung stark umstritten. Bastrykin sieht in der Zwangsrekrutierung einen zweifachen Nutzen. Neben der Verstärkung der Front trage diese Praxis dazu bei, dass viele Migranten Russland verlassen.