Nach tagelangen Verhandlungen konnte nun auch für die chemische Industrie ein neuer Kollektivvertrag vereinbart werden. Nachdem bereits die Holzbranche einen Abschluss erzielt hatte, einigten sich die Sozialpartner der Chemiebranche am 23. April nach 13-stündigen Gesprächen auf neue Lohn- und Gehaltsregelungen für rund 50.000 Beschäftigte.
Ab 1. Mai steigen die Bruttobezüge um 2,65 Prozent, allerdings mit einer sozialen Staffelung: Die Erhöhung beträgt mindestens 80 Euro, ist jedoch mit maximal 113 Euro gedeckelt. Für Besserverdienende mit einem Monatseinkommen über 4.265 Euro brutto bedeutet dies faktisch eine prozentual geringere Steigerung. Bei den obersten Verwendungsgruppen V bis VI wurde eine pauschale Anhebung um 60 Euro festgelegt. Die Lehrlingseinkommen wachsen ebenfalls um 2,65 Prozent.
Details zum Abschluss
Im Detail umfasst der Abschluss eine Anhebung der Mindestlöhne sowie der Mindestgehälter in den Verwendungsgruppen I bis III und der Meistergruppe MI um 2,65 Prozent. Die Mindestgehälter der Gruppen IV, IVa sowie MII und MIII steigen um 113 Euro, jene der Verwendungsgruppen V bis VI um einen fixen Betrag von 60 Euro. Bei den IST-Löhnen und -Gehältern gilt die Regelung mit 2,65 Prozent Erhöhung, mindestens jedoch 80 Euro und höchstens 113 Euro.
Zudem werden Schicht- und Nachtarbeitszulagen um 2,65 Prozent angehoben, Aufwandsentschädigungen und Messegelder um 2 Euro. Das steuerfreie Kilometergeld steigt auf 0,50 Euro für 30.000 Kilometer pro Jahr.
Reaktionen
Die Gewerkschaftsvertreter Johann Schernberger (PRO-GE) und Mario Mayrwöger (GPA) bewerten den Abschluss positiv: „Die Verhandlungen gestalteten sich aufgrund der aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ausgesprochen schwierig.“ Trotzdem ist uns gelungen, nachhaltige Lohn- und Gehaltserhöhungen für die Beschäftigten in der Chemischen Industrie zu erreichen, anstatt der von den Arbeitgebern forcierten Einmalzahlungen.
Auch die Arbeitgeberseite zeigt sich mit dem Ergebnis zufrieden. Ernst Gruber, Verhandlungsleiter des Fachverbands der Chemischen Industrie Österreichs (FCIO), betont: „Vor dem Hintergrund der anhaltenden Wirtschaftskrise war die Suche nach einer gemeinsamen Lösung auch heuer besonders herausfordernd. Heute haben wir gezeigt, dass mit einer gelebten Sozialpartnerschaft in schwierigen Zeiten tragfähige Kompromisse für den Wirtschaftsstandort geschlossen werden können.“
Der Kollektivvertrag für die Holzindustrie folgt einem ähnlichen Muster: Dort werden ab 1. Mai 2025 die Löhne und Gehälter um durchschnittlich 2,75 Prozent angehoben, wobei auch hier eine Deckelung von maximal 90 Euro pro Monat gilt.
Reallohnverluste trotz Erhöhung
Trotz des Abschlusses bleibt ein wesentlicher Haken: Die Gehaltserhöhung von 2,65 Prozent in der chemischen Industrie liegt deutlich unter der Inflationsrate der vergangenen zwölf Monate. Dies bedeutet faktisch einen Reallohnverlust für die Beschäftigten, da ihre Kaufkraft im Vergleich zum Vorjahr sinkt.
Im Branchenvergleich zeigt sich ein allgemeiner Trend zu moderateren Abschlüssen. Während im Vorjahr die chemische Industrie noch eine Erhöhung um 6,33 Prozent verzeichnete, fallen die aktuellen Lohnrunden in den Industriekollektivverträgen durchweg niedriger aus. Besonders Beschäftigte mit mittleren und höheren Einkommen sind durch die Deckelungen von den realen Einbußen betroffen.