Während Österreichs Verkehrsminister den Lkw-L17-Führerschein ablehnt, sehen steirische Fahrschulen darin eine Chance für mehr Sicherheit auf den Straßen.
Die EU arbeitet derzeit an einem Konzept für einen sogenannten „Lkw-L17-Führerschein“. Die entsprechende Richtlinie, die den Weg für diese neue Führerscheinkategorie ebnen soll, befindet sich bereits in Vorbereitung. Für Österreich besteht dabei keine Verpflichtung zur Umsetzung, sondern lediglich eine Option. In der heimischen Politik stößt das Vorhaben allerdings auf Widerstand. Verkehrsminister Peter Hanke (SPÖ) positioniert sich klar gegen die Initiative, wie er gegenüber einer österreichischen Tageszeitung erklärte: „Aus Gründen der Verkehrssicherheit planen wir nicht, den Spielraum einer Senkung der Altersgrenze zu nutzen…“
Fahrschulen befürworten
Die steirischen Fahrschulen vertreten hingegen eine völlig konträre Position. Aus ihrer Sicht würde ein L17-Führerschein (Führerschein mit Begleitphase ab 17 Jahren) für Fahrer von 40-Tonnern die Sicherheit im Straßenverkehr erheblich verbessern. Der steirische Fahrschulensprecher Karl-Heinz Stummer stellt zudem eine Berichtigung zur Diskussion: Die Altersgrenze für den Berufskraftfahrerschein für Fahrzeuge bis zu 40 Tonnen liege nicht wie medial dargestellt bei 21, sondern bereits jetzt bei 18 Jahren.
Stummer argumentiert nachdrücklich für den Lkw-L17-Schein, da Führerscheinneulinge dadurch wertvolle praktische Erfahrungen sammeln könnten: „Wo man unter Aufsicht eines erfahrenen Lkw-Fahrers den Lkw, die Gefahren und alles andere kennenlernt. Und das ist ein Riesenfortschritt für die Verkehrssicherheit.„
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Bewährtes Konzept
Seine Position untermauert Stummer mit Verweis auf die langjährigen Erfahrungen beim Pkw-L17-Führerschein, der seit mehr als zwei Jahrzehnten erfolgreich praktiziert wird. „Beim L17 Führerschein ist so, dass diese Kandidaten mindestens 3.000 Kilometer unter Begleitung durchführen müssen. Es gibt Statistiken, dass L17 Fahrer wesentlich weniger Unfälle haben, als Fahrer, die dann nur über die Fahrschulausbildung ihren Führerschein machen.“ Die reguläre Fahrausbildung umfasse dagegen lediglich 18 Fahrstunden.
Die Fahrschulen wollen in der Angelegenheit nicht lockerlassen und haben bereits angekündigt, Gespräche mit dem Verkehrsministerium zu führen, um für ihre Position zu werben.
Kontroverse um Sicherheitsstatistiken
Laut aktuellen Angaben der Wirtschaftskammer Österreich wird das Mindestalter für Lkw-Berufskraftfahrer EU-weit tatsächlich auf 17 Jahre gesenkt, allerdings nur unter der Voraussetzung, dass bis zum 18. Geburtstag eine Begleitung durch einen erfahrenen Berufskraftfahrer erfolgt. Das L17-Modell bei Pkw wird in Österreich von rund 40 Prozent der Jugendlichen gewählt und hat sich als etabliertes Ausbildungskonzept durchgesetzt.
Minister Hanke begründet seine ablehnende Haltung zum Lkw-L17-Führerschein mit der seiner Ansicht nach erhöhten Unfallgefahr bei Fahranfängern. Während die Fahrschulen die positiven Sicherheitseffekte der L17-Ausbildung betonen, werden die angeführten Unfallstatistiken vom Verkehrsministerium anders interpretiert. Hanke verweist vielmehr darauf, dass Fahranfänger generell ein erhöhtes Unfallrisiko aufweisen – unabhängig von der gewählten Ausbildungsform.