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Kriegskreislauf

Zweimal gefangen, dazwischen FSB-Verhör: Das System hinter Russlands Soldaten-Recycling

Zweimal gefangen, dazwischen FSB-Verhör: Das System hinter Russlands Soldaten-Recycling
(Foto: Printscreen/X)
4 Min. Lesezeit |

Vom Kriegsgefangenenlager direkt zurück ins Schlachtfeld – für zwei russische Soldaten wurde diese alptraumhafte Wendung zur Realität. Ihre Geschichte offenbart eine systematische Praxis.

Russische Soldaten erneut an Front

Zwei russische Soldaten gerieten in eine tragische Wiederholungsschleife des Krieges: Nach ihrer Gefangennahme in der Ukraine, einem Austausch und der Rückkehr nach Russland wurden sie umgehend wieder an dieselbe Front beordert – wo sie erneut in ukrainische Gefangenschaft gerieten. Dies berichtet die ukrainische Nichtregierungsorganisation „Ich will leben“.

Der aus der sibirischen Region Tuwa stammende Gefreite Shaga Michailowitsch Saktagaj kehrte im Jänner durch einen Gefangenenaustausch nach Russland zurück. Statt einer medizinischen Behandlung in der Heimat erwarteten ihn jedoch Verhöre durch FSB-Beamte (russischer Geheimdienst). Nach zweiwöchigem Gewahrsam wurde er direkt zu seiner früheren Einheit zurückgeschickt. Nur 28 Tage nach dem Austausch geriet Saktagaj während eines gescheiterten Angriffs in Wowtschansk erneut in Gefangenschaft.

Laut seiner dokumentierten Aussage hatte er im Dezember einen Vertrag mit dem russischen Verteidigungsministerium unterzeichnet und war nach minimaler Ausbildung dem 83. motorisierten Schützenregiment zugeteilt worden, das in der Region Charkiw operiert.

Wiederholte Gefangenschaft

Ein ähnliches Schicksal ereilte den 21-jährigen Dmitrij Ivanov aus der Region Komi. Er kehrte am 9. Jänner nach Russland zurück, nur um 39 Tage später – am 19. Juli – bei Kämpfen um Wowtschansk erneut gefangen genommen zu werden. Laut Bericht wurde Ivanov im September 2023 von lokalen Behörden zur Unterzeichnung eines Militärvertrags gedrängt und anschließend dem 82. motorisierten Schützenregiment im Charkiwer Sektor zugeteilt.

Am 7. Oktober wurde er in Wowtschansk verwundet und geriet in Gefangenschaft. Beide Soldaten gehören Regimentern der 69. russischen Garde-Motorschützendivision an, die im Sektor Wowtschansk-Charkiw stationiert ist. Die Stadt Wowtschansk wurde zu Kriegsbeginn von russischen Truppen eingenommen, ein Teil jedoch durch eine ukrainische Gegenoffensive im Oktober 2022 zurückerobert. Seither ist das Gebiet heftig umkämpft.

„Ivanov und Shaga hatten unglaubliches Glück zu überleben“, heißt es im Bericht der Organisation „Ich will leben“. „Im vergangenen Monat haben wir eine Liste von Russen veröffentlicht, die nach dem Austausch ebenfalls an die Front geschickt wurden und dort ums Leben kamen. Dies ist eine äußerst gängige Praxis in der russischen Armee.“

Systematische Praxis bestätigt

Familien russischer Kriegsgefangener berichten laut dem Exilmedium Meduza, dass nach dem großen Austausch im Mai Freigelassene „nicht einen einzigen Tag“ zu Hause bleiben durften. Selbst schwer Verwundete wurden unmittelbar wieder an die Front geschickt. Die russische Aktivistin Irina Krynina, die Angehörigen russischer Gefangener hilft, dokumentiert diese Fälle und rät Familien dringend, Rückkehr und notwendige medizinische Behandlung ihrer Söhne zu dokumentieren.

Dramatische Verluste

Die Organisation berichtet von einer bemerkenswerten Entwicklung: „Während uns früher Angehörige russischer Kriegsgefangener Fragen zur Zustellung von Paketen ins Lager stellten, bitten ihre Mütter jetzt darum, dass ihre Kinder bis zum Ende des Konflikts nicht ausgetauscht werden – denn zu Hause erwartet sie nur der Tod.“

Obwohl die Kyiv Post nicht alle Details unabhängig verifizieren konnte, ist die Praxis der russischen Armee, ehemalige Kriegsgefangene ohne Erholungszeit zurück in den Kampf zu schicken, gut dokumentiert – ebenso wie die hohen Verluste in Einheiten, die Angriffe durchführen.

Im Juli veröffentlichte dieselbe Organisation interne Dokumente der russischen 74. motorisierten Infanteriebrigade, die im besonders gefährlichen Sektor von Pokrowsk eingesetzt ist. Diesen Unterlagen zufolge verzeichnete die Brigade bis zum 1. Jänner 2.479 Gefallene und 2.732 Verwundete. Weitere 2.789 Soldaten werden als vermisst geführt – vermutlich überwiegend Deserteure.

Bei einer nominellen Sollstärke von 3.500 Mann deuten diese Zahlen darauf hin, dass die Brigade in drei Kriegsjahren ihre gesamte ursprüngliche Kampfkraft verloren hat.

Und anschließend nochmals die gleiche Anzahl an nachgerückten Soldaten.

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KO KOSMO-Redaktion
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