Der Trend kehrt sich um: Immer mehr bosnische Familien verlassen Deutschland und andere europäische Länder, um in ihre Heimat zurückzukehren. Die Schulen spüren den Wandel deutlich.
Immer mehr Familien kehren nach Bosnien und Herzegowina zurück, getrieben vom Wunsch nach einem stabileren Umfeld, stärkerer Gemeinschaftsunterstützung und der Bewahrung familiärer Werte. Wie Vecernji list BiH berichtet, handelt es sich dabei überwiegend um Menschen, die in den vergangenen zehn Jahren ihre Heimat auf Arbeitssuche verlassen hatten und nun nach zahlreichen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen in Deutschland und anderen europäischen Ländern den Weg zurück finden. Die wachsende Zahl der „Rückkehrer“-Kinder in bosnischen Schulen belegt diesen Trend eindrucksvoll.
Besonders der Kanton Tuzla und der Westherzegowinische Kanton verzeichnen dabei die höchsten Zahlen.
Rückkehr nach Tuzla
Allein seit Jänner wurden 136 Schüler aus dem Ausland in Schulen des Kantons Tuzla aufgenommen, wie Bildungsminister Ahmed Omerovic auf Facebook mitteilte. Im Vergleich zum Vorjahr mit 82 Rückkehrern bedeutet dies einen deutlichen Anstieg. „Diese Entwicklung ist nicht nur erfreulich, sondern auch eine starke Ermutigung für alle, die ihre Zukunft in Bosnien und Herzegowina aufbauen möchten“, betonte der Minister.
Von den zurückgekehrten Schülern besuchen 116 die Grundschule und 20 weiterführende Schulen. Die meisten leben nun in Tuzla (46), gefolgt von Srebrenik (24), Zivinice (22), Lukavac und Gradacac (je 14). Die Kinder kamen aus insgesamt 19 verschiedenen Ländern zurück, wobei Deutschland mit 44 Schülern an der Spitze steht, gefolgt von Slowenien (28), den USA (11), Frankreich und der Schweiz (je 7), Schweden und Serbien (je 5) sowie Österreich (4). Unter allen Rückkehrern besitzen lediglich fünf Kinder keine bosnische Staatsbürgerschaft.
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Familienförderung wirkt
Im Westherzegowinischen Kanton wurden für das Schuljahr 2025/2026 insgesamt 94 aus dem Ausland zurückgekehrte Schüler registriert – 23 mehr als im Vorjahr. Diese Entwicklung überrascht kaum, da dieser Kanton gemeinsam mit den Gemeinden seit Jahren gezielte demografische Maßnahmen zur Unterstützung von Familien umsetzt.
Neben einer monatlichen Zahlung von 500 KM (Konvertible Mark, bosnische Währung) für das dritte und jedes weitere Kind profitieren Schulkinder von zahlreichen Vergünstigungen. So erhalten alle Grundschüler kostenlose Schulbücher, und der Kanton finanziert gemeinsam mit den Städten und Gemeinden den kompletten Schülertransport.
Die Stadt Ljubuski gewährt Erstklässlern bereits im zweiten Jahr in Folge eine Einmalzahlung von 200 KM – eine Praxis, der sich nun auch Siroki Brijeg und die Gemeinde Posusje angeschlossen haben. Darüber hinaus stellt Ljubuski in Zusammenarbeit mit dem öffentlichen Unternehmen Parkovi d.o.o seit mehreren Jahren allen Schülern zu Schuljahresbeginn kostenlose Hefte und Schulmaterial zur Verfügung. Auch Erstklässler in Posusje genießen diese Unterstützung – alles Maßnahmen, um Eltern finanziell zu entlasten.
Auch der Kanton Herzegbosnien verzeichnet in diesem Jahr einen Zuwachs an zurückkehrenden Schülern. „In der ersten Klasse haben wir zwanzig Schüler mehr als im Vorjahr, darunter acht Rückkehrer, von denen vier sogar in Deutschland geboren wurden. In höheren Klassenstufen sind ebenfalls Rückkehrer zu verzeichnen – drei Schüler kamen aus Amerika zurück, drei aus Deutschland und einer aus Belgien“, erklärte Josip Kovac, Direktor der Grundschule „Fra Lovro Karaula“ in Livno zu Beginn des aktuellen Schuljahres.
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