Keine Artikel gefunden
Versuche einen anderen Suchbegriff
Millionenbetrug

Schamanin lebte in Luxusvilla – und kassierte Mindestsicherung

Schamanin lebte in Luxusvilla – und kassierte Mindestsicherung
(FOTO: LKA NÖ Tatort/LPD NÖ O. Greene)
3 Min. Lesezeit |

Mit erfundenen Todesflüchen und falschen Ritualen soll ein Familien-Clan gutgläubige Menschen um Millionen gebracht haben. Nun beginnt der Prozess – ohne die Hauptverdächtige.

Der Prozess gegen einen betrügerischen Familien-Clan beginnt am 1. Dezember vor dem Wiener Landesgericht, obwohl die mutmaßliche Haupttäterin Mariana M. (44), österreichische Staatsbürgerin mit serbischer Herkunft, weiterhin flüchtig ist. Auf der Anklagebank werden stattdessen ihre Schwiegertochter Dona D. (29), die unter dem Namen „Schamanin Anna“ agierte, sowie Marianas Sohn (29) und Ex-Mann (47) sitzen. Die Gruppe soll mit erfundenen „Todesflüchen“ und angeblichen Ritualen gutgläubige, meist ältere Menschen um mindestens 1,8 Millionen Euro erleichtert haben.

Die Staatsanwaltschaft wirft den Beschuldigten schweren gewerbsmäßigen Betrug, Bildung einer kriminellen Vereinigung und Geldwäsche vor. Laut Anklageschrift täuschte Dona D. ihre Opfer, indem sie behauptete, bei ihnen „nicht stimmige Auren“ oder „Flüche“ zu erkennen, die auch deren Angehörige gefährden könnten. Mindestens zehn ältere und psychisch labile Personen sollen so mehrfach geschädigt worden sein.

Besonders gravierend ist der Fall einer Frau, die der falschen Schamanin bei verschiedenen Treffen insgesamt 514.900 Euro überließ. Das Opfer händigte Bargeld in Höhe von etwa 210.000 Euro, Schmuck im Wert von über 100.000 Euro sowie Gold für rund 200.000 Euro aus – alles basierend auf den manipulativen Versprechungen der Betrügerin.

⇢ Betrugsnetzwerk aufgeflogen: Tausende SIM-Karten bei Razzia entdeckt (VIDEO)

Luxusleben trotz Sozialhilfe

Die Dreistigkeit des Clans zeigt sich auch darin, dass die 29-jährige Angeklagte trotz des luxuriösen Lebensstils in einer Villa am Stadtrand von Wien weiterhin Sozialleistungen bezog. Mit einer Meldeadresse in Wien-Favoriten kassierte sie seit Mai 2021 durchgehend Mindestsicherung, zuletzt monatlich 1.945 Euro – eine geringe Summe verglichen mit den mutmaßlich ergaunerten Beträgen.

Der 29-jährige Sohn der Hauptverdächtigen hatte die luxuriöse Villa bei Wien erworben. Bei Durchsuchungen stießen Ermittler auf einen verborgenen Geheimtresor mit 25 Kilogramm Gold, wertvollen Schmuckstücken, Edelsteinen und Bargeld in verschiedenen Währungen im Gesamtwert von sechs Millionen Euro. Weitere Wertgegenstände fanden die Beamten im zubetonierten Swimmingpool.

Versteckte Schätze

In einer Garage in Wiener Neudorf entdeckten sie zudem 14 kostbare Oldtimer, darunter als Prunkstück einen goldenen Mercedes. Der 47-jährige Ex-Mann soll innerhalb der Gruppe hauptsächlich für logistische Aufgaben verantwortlich gewesen sein.

Am 1. Dezember müssen die drei Angeklagten ihren mutmaßlichen Opfern gegenübertreten, wobei die Beweislast als erheblich gilt. Die Verteidigung übernehmen die renommierten Anwälte Nikolaus Rast, Michael Babic und Philipp Wolm.

Für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.

Unabhängiger Journalismus braucht Unterstützung

Guter Journalismus entsteht nicht nebenbei. Gründliche Recherche, sorgfältige Faktenprüfung und eine kritische Einordnung brauchen Zeit, Erfahrung und Ressourcen. Damit wir weiterhin unabhängig berichten können – frei von politischem oder wirtschaftlichem Einfluss – sind wir auf deine Unterstützung angewiesen.

Hilf mit, unabhängigen Journalismus zu sichern.
KO KOSMO-Redaktion
Teilen