Zwei kleine Kinder starben im Rauch, während ihre Mutter schlief. Nun steht die 25-Jährige vor Gericht – und bestreitet jede Schuld am Tod ihrer Söhne.
Die fünfjährige Daniel und sein einjähriger Bruder Armin starben durch eingeatmete Rauchgase, während ihre 25-jährige Mutter in einem anderen Raum schlief. Am Mittwoch musste sich die Frau vor dem Gericht in Krems wegen fahrlässiger Tötung verantworten. Nach Erkenntnissen der Ermittler hatte der ältere Sohn in der Wohnung in Gmünd mit einem Feuerzeug gespielt, das die Mutter unachtsam aufbewahrt hatte. Vor Gericht bestritt die Angeklagte ihre Schuld.
Die Staatsanwaltschaft legte der jungen Frau zur Last, ein funktionsfähiges Pfeifenfeuerzeug in einem Badezimmerschrank nicht kindersicher verwahrt zu haben. Der fünfjährige Sohn konnte das Feuerzeug erreichen, spielte damit im Kinderzimmer und verursachte so den verhängnisvollen Brand. In ihrem Eröffnungsplädoyer betonte die Staatsanwältin, dass die Beschuldigte ihre Sorgfaltspflicht grob vernachlässigt habe.
Ein weiterer schwerwiegender Vorwurf der Anklagebehörde: Die 25-Jährige beaufsichtigte ihre Kinder nicht angemessen. Als Ursache führte die Staatsanwaltschaft an, dass die Frau, die ohne Anwalt vor Gericht erschien, am Tag zuvor THC-haltige Substanzen sowie Methamphetamin und Amphetamin konsumiert hatte. Durch die daraus resultierende Beeinträchtigung ihrer Leistungsfähigkeit schlief sie tagsüber, während ihre Söhne unbeaufsichtigt blieben. Die beiden Kinder erstickten an den giftigen Rauchgasen. Auch eine Nachbarin erlitt eine Rauchgasvergiftung.
⇢ Während Mutter unter Drogeneinfluss schlief: Kinder legten Feuer – beide tot
Aussage der Mutter
Die Angeklagte wies die Anschuldigungen zurück. Über eine Dolmetscherin erklärte sie: „Ich fühle mich nicht schuldig.“ Sie schilderte, am Vormittag des 26. April gemeinsam mit ihrem jüngsten Kind eingeschlafen zu sein, während auch der Fünfjährige im selben Bett gelegen habe. „Als ich aufgewacht bin, war schon überall Rauch. Ich habe nichts gesehen“, berichtete die Frau. „Ich habe nach den Kindern gerufen, bin vor das Haus gelaufen und habe geschrien.“ Die Feuerwehr sei gegen 11.30 Uhr eingetroffen.
Die Mutter selbst erlitt bei dem Brand erhebliche Verletzungen – unter anderem verbrannten ihre hüftlangen Haare. Nach dem Unglück am 26. April wurde sie mit dem Notarzthubschrauber ins Krankenhaus gebracht. Die Brandermittler kamen zu dem Schluss, dass eine offene Flamme das Feuer verursacht hatte.
Gerichtsurteil
Das Gericht in Krems verurteilte die 25-Jährige wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung zu neun Monaten Haft auf Bewährung. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Einzelrichter bewertete ihr „auffallend fahrlässiges Verhalten“ als erschwerenden Umstand, entschied sich jedoch für eine Bewährungsstrafe, da die Angeklagte durch den Verlust ihrer Kinder „bereits die höchste Strafe erlitten“ habe.
Die Beschuldigte bestritt vor Gericht, an jenem Tag besonders müde gewesen zu sein. „Ich habe keinen Grund gehabt, dass ich tief schlafe.“ Sie gab an, Drogen grundsätzlich nur einmal monatlich zu konsumieren, wobei die Kinder in solchen Fällen stets bei ihrer Großmutter untergebracht gewesen seien. „Ein, zwei Tage“ vor dem Unglück habe sie Drogen genommen, am Vorabend jedoch nicht, behauptete die tschechische Staatsbürgerin.
Gegenwärtig lebt die 25-Jährige bei ihrer Schwester und befindet sich nach eigenen Angaben in psychologischer Behandlung.
Bereits im Jänner war die Frau in Krems wegen falscher Beweisaussage zu sechs Monaten bedingter Haft verurteilt worden.