Über neun Jahre vergiftete er systematisch Patienten, zwölf starben. Nun muss der französische Narkose-Arzt lebenslang hinter Gitter – ohne Reue.
In Frankreich muss ein früherer Narkose-Arzt für den Rest seines Lebens hinter Gitter. Das Gericht in Besançon sah es als erwiesen an, dass Frédéric P. über einen Zeitraum von neun Jahren insgesamt 30 Patienten vergiftet hatte. Die Opfer, deren Alter von vier bis 89 Jahren reichte, erlitten während Operationen unerklärliche Herzstillstände, nachdem der Mediziner ihre Infusionen mit giftigen Substanzen manipuliert hatte. Zwölf Menschen überlebten diese Attacken nicht.
„Sie werden sofort inhaftiert“, verkündete die Vorsitzende Richterin Delphine Thibierge am Donnerstag. Der 53-jährige Angeklagte, der bis dahin auf freiem Fuß war, wurde entsprechend der Forderung der Staatsanwaltschaft zu lebenslanger Haft verurteilt. Frühestens nach 22 Jahren kann er eine Hafterleichterung beantragen. Zusätzlich verhängte das Gericht ein dauerhaftes Berufsverbot als Arzt gegen ihn.
Staatsanwältin Christine de Curraize warf dem Verurteilten in ihrem Plädoyer vor, „heimtückisch gehandelt“ und zwölf Menschen „kaltblütig“ getötet zu haben. Seine Taten bezeichnete sie als „hochgradig pervers“, da er medizinisches Wissen missbraucht habe, um Menschen zu schaden. „Sie sind ein Mörder, Sie haben diese Klinik in einen Friedhof verwandelt, Sie beleidigen alle Ärzte.“
Motive des Täters
Nach Darstellung der Anklage wollte der Narkose-Arzt Kollegen, mit denen er im Konflikt stand, „psychologisch schaden“. Die Staatsanwaltschaft erklärte, P. habe Genugtuung empfunden, wenn seine Kollegen scheiterten. In mehreren Fällen griff er selbst ein und rettete Patienten in letzter Minute – offenbar um sich als herausragender Mediziner zu profilieren.
„Es ist das Ende eines Albtraums“, sagte Sandra Simard, eine der Betroffenen nach der Urteilsverkündung. Anwalt Frédéric Berna, der mehrere Nebenkläger vertrat, bedauerte das fehlende Schuldeingeständnis des Verurteilten: „Wir hatten die Hoffnung, dass er uns Erklärungen liefert.“
Der Verurteilte beteuerte bis zuletzt seine Unschuld. „Ich bin kein Vergifter. Ich habe mich immer an den Eid des Hippokrates gehalten“, erklärte er in seinem Schlusswort. Seine Verteidiger hatten auf Freispruch plädiert und Zweifel an der Beweislage geäußert.
Nach dem Urteil kündigten sie Berufung an.
Aufdeckung der Taten
Den Ermittlungen lag der Fall der damals 36-jährigen Sandra Simard zugrunde, die 2017 während einer Operation einen medizinisch nicht erklärbaren Herzstillstand erlitt. Untersuchungen ergaben, dass ihrer Infusion Kaliumchlorid – ein bei Hinrichtungen verwendetes Mittel – beigemischt worden war. P. hatte bei ihrer Wiederbelebung assistiert. Die Klinikleitung erstattete daraufhin Anzeige.
Im Verlauf des Prozesses räumte P. zwar ein, dass die Vorfälle auf Vergiftungen zurückzuführen seien, bestritt jedoch jede persönliche Verantwortung. Während der Verhandlung blieb er angesichts der Schilderungen von Opfern und Hinterbliebenen weitgehend teilnahmslos.
Tränen zeigte er lediglich, als er über seinen eigenen Suizidversuch sprach. Auch bei der Urteilsverkündung blieb seine Miene ausdruckslos.