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Drogentrend

Kokain-Welle: Dieses Bundesland sticht besonders hervor

Kokain-Welle: Dieses Bundesland sticht besonders hervor
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6 Min. Lesezeit |

Die weiße Linie verläuft längst mitten durch die Gesellschaft: Speziell Salzburgs Kokainkonsum hat sich seit 2015 verdoppelt, während Reinheitsgrad steigt und Preise fallen.

Kokain ist billiger, reiner und leichter erhältlich als je zuvor. Was einst als Luxusdroge galt, hat längst den Weg in die Mitte der Gesellschaft gefunden. In Salzburg hat sich der Konsum seit 2015 nahezu verdoppelt. Erst kürzlich wurden vier Männer verurteilt, nachdem sie etwa 145 Kilogramm Kokain nach Salzburg eingeschleust hatten. Der Prozess gilt als einer der umfangreichsten Drogenverfahren in der Geschichte des Bundeslandes – ein deutliches Signal dafür, dass Kokain kein Randphänomen mehr darstellt.

Mittlerweile dreht sich fast jedes zweite Beratungsgespräch in Salzburger Drogeneinrichtungen um Kokain. Diese Entwicklung geht aus dem aktuellen Suchtbericht des Landes hervor und markiert eine besorgniserregende Trendwende. Vor zwei Jahren wurden 15 drogenbedingte Todesfälle dokumentiert, die neuesten Erhebungen werden derzeit noch ausgewertet. Parallel zum Anstieg der Konsumzahlen sinkt der Preis, während die Verfügbarkeit zunimmt.

Die Flut an Kokain, die Europa überschwemmt, lässt sich auf mehrere Faktoren zurückführen: ausgedehntere Anbauflächen in Südamerika, optimierte Herstellungsverfahren und die wachsende Nachfrage, erklärt Gerhard Jäger von der Innsbrucker Drogenarbeit Z6. Für den Experten folgt die Strategie der Kartelle einer wirtschaftlichen Logik: „Es ist wenig verwunderlich, dass man aus Kartellsicht stark abhängig machende Substanzen dort verbreitet, wo viel Geld im Umlauf ist und man hohe Preise erzielen kann“, so Jäger.

Diese Einschätzung teilt auch Polizeisprecher Hans Wolfgruber aus Salzburg, wenngleich er auf den deutlichen Preisverfall bei Kokain in den vergangenen Jahren hinweist. Hauptursache sei das massiv gewachsene Angebot. Die Sicherstellungsmengen in Salzburg steigen kontinuierlich an, wie der Lagebericht zur Suchtmittelkriminalität des Innenministeriums belegt. Während bei Substanzen wie Amphetamin und Heroin rückläufige Beschlagnahmungen verzeichnet wurden, nahmen die konfiszierten Mengen anderer Drogen erheblich zu – besonders auffällig war der Zuwachs bei Kokain mit einem Plus von 137 Kilogramm.

Reinere Substanz

Bemerkenswert ist laut Wolfgruber der gestiegene Reinheitsgrad – also die Qualität im Verhältnis zum Risiko durch beigemischte Substanzen. „Dies habe die Attraktivität dieses Suchtmittels genauso gesteigert wie der gesellschaftliche Wandel oder die Motivation zum Kokainkonsum – von einer reinen Party- hin zu einer Lifestyle- und Leistungssteigerungsdroge.“ In der Salzburger Suchthilfe Klinik beobachtet man diesen Wandel bereits seit längerem. Der ärztliche Leiter Hannes Bacher verweist auf Reinheitsgrade von bis zu 82 Prozent, während frühere Proben lediglich zwischen acht und 35 Prozent lagen.

Einerseits bedeutet dies weniger Verunreinigungen durch schädliche Zusätze wie Metamphetamine oder pulverisierte Nasentropfen. Andererseits steigt dadurch das Abhängigkeitspotenzial erheblich: „Das Gehirn arbeitet mit sogenannten Neurotransmittern. Das sind Substanzen, die im Körper gebildet werden, die man dazu braucht, um keine Ängste zu entwickeln. Und das Kokain zieht die Gefäße zusammen, was in extremen Fällen zu Herzinfarkten oder Schlaganfällen führen kann“, erläutert Bacher. Häufig entwickeln Konsumenten zudem schwere Depressionen und Angstzustände, die sie paradoxerweise wiederum mit der Substanz zu bekämpfen versuchen.

Der Kokainhandel tritt zunehmend aus dem Schatten heraus, berichtet Jäger aus seiner täglichen Beratungspraxis. Die Droge erreicht inzwischen breite Bevölkerungsschichten, nicht zuletzt über digitale Kanäle. „Ich muss gar nicht ins Darknet. Es gibt auch im Internet Seiten, wo ich mit Bitcoin bezahlen und mir sämtliche illegale Substanzen bestellen kann.“ Es gibt über Social Media für jede Substanz mehrere Emojis, da brauche ich schon gar nichts mehr reinschreiben.

Auch Snapchat dient mitunter als Beschaffungsplattform, wo Bedarfsmeldungen veröffentlicht werden, um dann verschiedene Angebote zu erhalten, schildert Jäger. In Salzburg werden neben der Internetüberwachung regelmäßige Kontrollen im Postverteilerzentrum Wals-Siezenheim durchgeführt. Bei diesen Aktionen werden pro Kontrolle zwischen 20 und 40 Suchtmittelsendungen abgefangen, wie der aktuelle Lagebericht zur Suchtmittelkriminalität dokumentiert.

Hilfsangebote wachsen

Abwasseranalysen bestätigen, dass das wachsende Angebot auf eine entsprechende Nachfrage trifft. Jäger von der Innsbrucker Drogenarbeit Z6 weist auf ein regionales Gefälle hin: Im Westen Österreichs dominiert Kokain, während im Osten andere Substanzen stärker verbreitet sind. Die Aussagekraft der Abwasseranalysen relativiert der Experte jedoch: „Kufstein belegt Platz eins unter 17, aber es gibt fast 2.000 Klärwerke. In Tirol sind außerdem die Tourismushotspots nicht dabei wie Ischgl oder St. Anton zum Beispiel.“

Der aktuelle Suchtbericht des Landes zeigt, dass die Angebote der Drogenberatungsstellen in den vergangenen Jahren überwiegend von Männern und Personen unter 40 Jahren genutzt wurden. Die Salzburger Suchthilfe beobachtet zudem, dass Drogendealer verstärkt jüngere Menschen ins Visier nehmen. „Das sind lauter Jugendliche oder junge Erwachsene, die in einer Sturm- und Drangphase ihres Lebens sind, die versuchen, etwas von der Welt zu sehen, neue Erfahrungen zu machen und sehr oft auch natürlich die entsprechenden Freunde oder den Freundeskreis haben“, erklärt Bacher von der Suchthilfe Salzburg.

Es wäre ein Irrtum anzunehmen, dass nur sozial benachteiligte Personen betroffen sind – die Droge hat mittlerweile in allen Gesellschaftsschichten Fuß gefasst. Auch die Preisentwicklung trägt dazu bei: „Wir haben lange einen kontinuierlichen Preis von 100 Euro für das Gramm gehabt. Inzwischen tendiert der Preis eher zwischen 60 und 80 Euro pro Gramm“, erläutert Jäger von der Drogenarbeit Z6.

Für viele Betroffene in Salzburg stellt die Suchthilfe den ersten Anlaufpunkt dar. Die Beratung zielt darauf ab, gemeinsam mit den Hilfesuchenden Wege aus der Abhängigkeit zu entwickeln, wie Ursula Pokorny von der Suchthilfe Salzburg berichtet. Für die Betroffenen geht es vor allem darum, ein Leben ohne die Substanz zu erlernen. Entscheidend sei nicht nur die Konsumreduktion, sondern auch das Verständnis dafür, welche Rolle die Droge im Alltag einnimmt.

Einen komplementären Ansatz verfolgt Peter Zauner aus Werfen. Er engagiert sich für eine bessere Unterstützung suchtkranker Menschen und deren Angehörigen. In drei Pongauer Gemeinden organisiert er regelmäßige Treffen für Familien von drogenabhängigen Jugendlichen. Nach dem Drogentod seines Sohnes gründete Zauner die erste österreichweite Selbsthilfegruppe für Angehörige. Die Nachfrage wächst stetig, auch weil der Kokainkonsum im ländlichen Raum zunimmt, berichtet Zauner.

Er fordert verstärkte politische Maßnahmen und lädt Betroffene zur Teilnahme an seiner Initiative ein: „Denn es kostet nichts, tut nicht weh, aber der erste Schritt ist der wichtigste.“

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KO KOSMO-Redaktion
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