Masern-Alarm in Österreich: Mit 542 Fällen erreicht das Land den höchsten Wert seit 1997. Die WHO hat Österreich bereits den Status eines masernfreien Landes entzogen.
Die Masernfälle in Österreich erreichen besorgniserregende Höchststände. Seit etwa zwei Jahrzehnten verzeichnet das Land einen kontinuierlichen Anstieg der Infektionen, wobei 2024 mit 542 gemeldeten Fällen laut Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) der höchste Wert seit 1997 erreicht wurde. Besonders dramatisch stellt sich die Situation in Oberösterreich dar, wo 117 Erkrankungen registriert wurden – eine Zahl, die sowohl im historischen Vergleich als auch im bundesweiten Ranking alarmierend hervorsticht. Laut ORF gestaltete sich die Unterbrechung der Infektionsketten in diesem Jahr außergewöhnlich schwierig.
Clemens Gumpenberger, Vertreter der niedergelassenen Kinderärzte in Oberösterreich, betont: „Die Gesundheitsbehörden haben enorme Anstrengungen unternommen.“ Sie sind allen Fällen nachgegangen, haben die Ansteckungskette nachverfolgt, den Impfschutz überprüft, Kontaktpersonen nachverfolgt, Impfungen veranlasst. Dennoch konnte die Ausbreitung der jüngsten Virusstämme erst mit erheblicher Verzögerung eingedämmt werden. Diese Entwicklung führte dazu, dass die Weltgesundheitsorganisation Österreich den Status eines masernfreien Landes entzogen hat. Die Krankheit gilt nun offiziell als „wieder etabliert“.
⇢ Impfverweigerung mit Folgen: Österreich offiziell nicht mehr „Masernfrei“
Pandemie-Folgen
Die Pandemiezeit hinterließ deutliche Spuren bei den Masernimpfraten. Einerseits verstärkte sich die generelle Skepsis gegenüber Impfungen, andererseits erschwerten die Corona-Maßnahmen den Zugang zu Routineimpfungen für Kinder. Diese Einschätzung teilt auch das Gesundheitsministerium, das darin einen wesentlichen Faktor für die rückläufigen Impfzahlen sieht.
Inzwischen zeichnet sich jedoch eine leichte Erholung der Impfquote ab. Der vollständige Masernschutz umfasst zwei Impfdosen. Obwohl bereits die erste Dosis einen substanziellen Schutz bietet, rät Gumpenberger nachdrücklich zur Komplettierung des Impfschemas. Erwachsene mit nur einer erhaltenen Impfdosis sollten seiner Empfehlung nach unbedingt eine Auffrischung vornehmen lassen.
Unterschätzte Gefahr
Das Gefahrenpotenzial der Masern wird häufig unterschätzt. Tatsächlich kann die Erkrankung zu schwerwiegenden, potenziell lebensbedrohlichen Komplikationen führen, darunter Meningitis und Pneumonie. Zudem schwächt eine durchgemachte Maserninfektion das Immunsystem langfristig und erhöht dadurch die Anfälligkeit für weitere Erkrankungen.
Eine erfolgreiche Elimination der Masern würde eine Durchimpfungsrate von mindestens 95 Prozent erfordern.
Die aktuelle Realität sieht jedoch anders aus: Gesundheitsstaatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) beziffert die derzeitige Impfrate auf lediglich 71 Prozent.