Kroatisch aus dem BKS-Sammelkonstrukt: Österreich will eine jahrzehntealte Schulempfehlung ändern.
Der Unterricht in kroatischer Sprache soll an österreichischen Schulen künftig eigenständig möglich sein – getrennt vom bisherigen Sammelbegriff BKS (Bosnisch/Kroatisch/Serbisch). Das erklärte Außenministerin Beate Meinl-Reisinger am Donnerstag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit ihrem kroatischen Amtskollegen Gordan Grlić Radman in Zagreb. Demnach soll das Bildungsministerium eine Empfehlung aus den späten 1990er-Jahren zurückziehen, die im Schulbetrieb eine gemeinsame Organisation des muttersprachlichen Unterrichts begünstigte.
Diese Empfehlung stammt aus dem Jahr 1996 und zielte darauf ab, Kinder im Unterricht nicht nach ethnischer Zugehörigkeit zu trennen. In der Praxis führte sie dazu, dass Bosnisch, Kroatisch und Serbisch häufig gemeinsam im Rahmen des BKS-Unterrichts angeboten wurden. Künftig soll stärker die Autonomie der Schulen betont werden, sodass Kroatisch auch als eigenständiger Unterricht möglich ist.
Kroatisch als eigenes Fach
Bereits Anfang 2024 war angekündigt worden, dass die Steiermark ab dem Schuljahr 2024/25 Kroatisch als eigenständiges Fach im muttersprachlichen Unterricht anbieten will. Grlić Radman begrüßte die jüngsten Ankündigungen als „sehr gute Nachricht“ und verwies auf die Rolle der Kroaten in Österreich als Brücke zwischen beiden Ländern.
„Eine besondere Rolle spielen dabei die Kroaten in Österreich – darunter die Burgenlandkroaten sowie zahlreiche kroatische Einwanderer“, sagte der kroatische Außenminister. Kroatisch sei die Amtssprache eines EU-Mitgliedstaates und verdiene daher auch im Bildungsbereich eine entsprechende Sichtbarkeit.
Westbalkan & Erweiterung
Kroatien ist Teil der Initiative „Freunde des Westbalkans“, die 2023 von Österreich gestartet wurde, um den EU-Erweiterungsprozess zu unterstützen. Beide Länder sehen Stabilität und Sicherheit in der Region als gemeinsames Anliegen und betrachten die Erweiterung der EU als strategische Investition in Frieden und wirtschaftliche Entwicklung.
Meinl-Reisinger betonte, dass Fortschritte bei der Erweiterung auch im Interesse der Europäischen Union selbst lägen. Kroatien sei ein Beispiel dafür, dass der Beitritt für beide Seiten Vorteile bringe. Zugleich warnte sie, dass zu lange Verzögerungen im Erweiterungsprozess die Geduld der Beitrittskandidaten auf die Probe stellen könnten.
Österreich zählt zu den wichtigsten Wirtschaftspartnern Kroatiens. Beide Länder sehen Potenzial für eine vertiefte Zusammenarbeit, etwa in den Bereichen Energie, Infrastruktur, Verteidigung und Innovation.