**Ein Drittel der Europäer schläft schlecht – und das kostet die Volkswirtschaft Milliarden. Die Zahlen sind alarmierend.**
Anlässlich des Weltschlaftags rückt ein beunruhigendes Phänomen in den Fokus: Schlafstörungen haben sich zur verbreiteten Volkskrankheit entwickelt. Eine aktuelle Meta-Studie im „European Journal of Neurology“, an der auch österreichische Fachleute mitwirkten, belegt, dass rund ein Drittel aller Menschen in Europa unter chronischen Ein- oder Durchschlafproblemen leidet. Konkret sind 18 Prozent von Schlaf-Apnoe (Atemaussetzer im Schlaf) betroffen, während 10 Prozent an Schlaflosigkeit leiden.
Milliardenschwere Folgekosten
Die Folgen beschränken sich längst nicht mehr auf das individuelle Leid der Betroffenen – sie schlagen sich auch massiv in der Volkswirtschaft nieder. Europaweit entstehen dadurch jährliche Kosten von rund 400 Milliarden Euro; allein für Österreich wird der wirtschaftliche Schaden auf etwa 10 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt. Von den Gesamtkosten entfallen 48 Prozent auf direkte Behandlungsausgaben, während die indirekten Kosten – etwa durch Arbeitsunfälle – mit 52 Prozent den größeren Anteil ausmachen.
Der Grund liegt in der fundamentalen Bedeutung des Schlafs: Er gilt als unverzichtbare Voraussetzung für körperliche und mentale Gesundheit. Bleibt dieses Grundbedürfnis unerfüllt, drohen schwerwiegende physische wie psychische Folgeschäden – mit spürbaren Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft.
„Schlafstörungen sind keine Bagatelle, sondern eine relevante Volkskrankheit mit erheblichen gesundheitlichen und volkswirtschaftlichen Folgen, wie die aktuelle Hochrechnung zeigt. Durch eine konsequente Ambulantisierung, den Ausbau interdisziplinärer Schlafzentren und den Einsatz digitaler Technologien können wir Versorgungslücken schließen, Wartezeiten verkürzen und die Behandlungsqualität deutlich verbessern. Die Zukunft der Schlafmedizin liegt dabei auch in der personalisierten Therapie: Weg von pauschalen Versorgungspfaden, hin zu individuell abgestimmten Behandlungsansätzen, die Komorbiditäten (Begleiterkrankungen), Lebensstil und Krankheitsverlauf berücksichtigen“, so Neurologe und Schlafmediziner Priv.-Doz. Dr. Michael Saletu.
Geschlechterspezifische Faktoren
Expertinnen und Experten des Future Health Lab und von Idorsia plädieren dafür, den Blick stärker auf die Ursachen statt auf die Symptome zu richten. Dabei dürfen geschlechterspezifische Unterschiede nicht außer Acht gelassen werden: Frauen sind häufiger von hormonellen Schwankungen betroffen, die sich unmittelbar auf den Schlaf auswirken können – sei es durch den Zyklus oder eine Schwangerschaft.
Auch die Menopause kann den Schlaf erheblich beeinträchtigen und damit das Risiko für krankheitsbedingte Arbeitsausfälle steigern. Umso wichtiger ist es, Schlafprobleme frühzeitig ernst zu nehmen, die individuellen Auslöser – ob Stress, chronische Schmerzen oder hormonelle Veränderungen – rechtzeitig abklären zu lassen und dabei geschlechterspezifische Faktoren ausdrücklich zu berücksichtigen.
Bereits vor der aktuellen Studie war bekannt: Schlafmangel – etwa als Folge von Schichtarbeit – stellt in vielerlei Hinsicht ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar.