Keine Artikel gefunden
Versuche einen anderen Suchbegriff
Medienskandal

Jetzt klagt Weißmann: Strafanzeige gegen ORF-Bosse

Jetzt klagt Weißmann: Strafanzeige gegen ORF-Bosse
(FOTO: ORF/Thomas Ramstorfer)
3 Min. Lesezeit |

ORF-Generaldirektor Roland Weißmann hatte vergangenen Montag überraschend seinen Rücktritt erklärt. Er ist mit dem Vorwurf der sexuellen Belästigung konfrontiert, den er jedoch entschieden zurückweist. Über seinen Anwalt ließ er am Freitag ausrichten, die Beziehung zu der betreffenden Frau sei „in beidseitigem Interesse“ verlaufen; zudem habe er bis heute keinen Einblick in das Material erhalten, das der ORF-Stiftungsratsspitze vorgelegt worden sei.

Darüber hinaus sei er vom ORF – Weißmann befindet sich derzeit im Krankenstand – bislang nicht angehört und von Stiftungsratsvorsitzendem Heinz Lederer zum Rücktritt gedrängt worden. Beauftragt hatte Weißmann mit der Prüfung der Angelegenheit zuvor Anwalt Norbert Wess, der auch den früheren Immobilien-Unternehmer René Benko vertritt.

Konkret hatte sich Weißmann vor etwas mehr als einer Woche zurückgezogen, nachdem eine Mitarbeiterin mit Vorwürfen über sein Verhalten ihr gegenüber an ORF-Stiftungsratsvorsitzenden Heinz Lederer und dessen Stellvertreter Gregor Schutze herangetreten war und dabei unter anderem seinen Abgang gefordert hatte.

Mehr zum ThemaNach Weißmann-Rücktritt: Weitere Frauen melden sich⇢

Laut Lederer wurde Weißmann daraufhin aufgefordert, das vorgelegte Bild-, Ton- und Textmaterial zu sichten. Zum Rücktritt gedrängt haben wollen ihn die Stiftungsratsspitze nicht.

Weißmanns Strafanzeige

Nun lässt Weißmann eine Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Wien einbringen. Im Zusammenhang mit den Vorgängen, die zu seinem Abgang als ORF-Generaldirektor geführt haben, bestehe der Verdacht „strafrechtlich relevanten Verhaltens mehrerer involvierter Personen“, hieß es in einer Aussendung. Anwalt Wess wollte auf APA-Nachfrage „nicht vorpreschen“ und machte weder Angaben zur Zahl der betroffenen Personen noch zu den vermuteten Tatbeständen. Die Anzeige solle jedoch in Kürze eingebracht werden.

Beim ORF hat inzwischen Ingrid Thurnher kommissarisch die Aufgaben der Generaldirektion übernommen. Sie kündigte „volle Transparenz“ an und betonte, dass es „keine Form des Machtmissbrauchs in diesem Unternehmen geben darf“. Der ORF-Stiftungsrat empfahl der neuen Interimschefin, eine externe Firma zur Unterstützung bei der Aufarbeitung beizuziehen sowie eine Taskforce zur Führungskultur einzurichten.

Mehr zum ThemaORF-Legende Thurnher übernimmt nach Weißmann-Skandal⇢

Die hausinterne Compliance-Stelle soll sich mit den Vorwürfen gegen Weißmann befassen – ob dies bereits geschieht, ließ der ORF auf APA-Anfrage am Dienstag offen.

Strobl und Lederer

ORF-Manager Pius Strobl wies unterdessen gegenüber dem „Kurier“ Spekulationen zurück, er sei mit der Frau liiert, die die Vorwürfe erhoben hat. Sie sei weder seine Freundin noch seine Lebensgefährtin. Er sieht darin „unsinnige Theorien“, mit denen „aktiv eine Täter-Opfer-Umkehr“ betrieben werde.

Strobl hatte bereits zuvor bestätigt, dass er eine ihm im Jahr 2010 vom damaligen ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz genehmigte Pensionsregelung gerichtlich einfordern müsse, da Weißmann ihm diese verweigere. Thurnher bestätigte am Wochenende gegenüber der „Kronen Zeitung“, dass der ORF diese Ansprüche bestreite – daran habe sich auch durch ihre vorläufige Übernahme der Führung nichts geändert.

Mehr zum ThemaWeißmann packt aus: „Sie lud mich zum romantischen Essen ein“⇢

Eine Rechtsanwaltskanzlei und ein Universitätsprofessor hätten die Vereinbarung Anfang Jänner 2022 geprüft. „Beide kamen zum Ergebnis, dass diese nicht wirksam zustande gekommen ist“, so Thurnher.

Der von der FPÖ entsandte ORF-Stiftungsrat Peter Westenthaler wandte sich am Montag an seine Kolleginnen und Kollegen im Gremium und sprach sich für die Einberufung einer außerordentlichen Sitzung aus. Gegen Vorsitzenden Lederer lägen „schwerste Vorwürfe“ vor, die rasch geklärt werden müssten. Lederer hatte die gegen ihn erhobenen Vorwürfe – darunter eine mutmaßliche Intervention beim Nachrichtenmagazin „profil“ nach einer unliebsamen Coverstory über den ORF sowie eine Beratungstätigkeit für einen Anwalt im Zusammenhang mit kritischen ORF-Berichten – bereits zurückgewiesen.

Unabhängiger Journalismus braucht Unterstützung

Guter Journalismus entsteht nicht nebenbei. Gründliche Recherche, sorgfältige Faktenprüfung und eine kritische Einordnung brauchen Zeit, Erfahrung und Ressourcen. Damit wir weiterhin unabhängig berichten können – frei von politischem oder wirtschaftlichem Einfluss – sind wir auf deine Unterstützung angewiesen.

Hilf mit, unabhängigen Journalismus zu sichern.
KO KOSMO-Redaktion
Teilen