Romantische Essen, gemeinsame Läufe, mitgeschnittene Gespräche – Weißmanns Anwalt zeichnet ein ganz anderes Bild der Affäre.
Über seinen Anwalt Oliver Scherbaum hat sich der frühere ORF-Generaldirektor Roland Weißmann am Freitag zum ersten Mal ausführlich zu den Anschuldigungen geäußert, die eine Mitarbeiterin des Senders gegen ihn erhebt. Die Vorwürfe der sexuellen Belästigung stammen aus dem Jahr 2022, dem Jahr, in dem Weißmann die Führung des ORF übernommen hatte. Der ORF-Stiftungsratsvorsitzende Heinz Lederer erklärte, dass Schrift-, Ton- und Bildmaterial den Vorwurf der sexuellen Belästigung gegen Weißmann darstellen lasse.
Laut Scherbaum habe die betreffende Frau Weißmann im Oktober 2022 Werbefotos von sich gezeigt, damit er das schönste aussuche.
„Als Dank dafür lud sie ihn zu einem ,romantischen Essen‘ ein und teilte ihm dort mit, dass ihre Ehe nunmehr am Ende sei, und signalisierte Interesse an einer Beziehung; es kam dabei auch zu einvernehmlichem physischen Kontakt.“
Beziehung seit 2019
Bereits seit 2019 habe zwischen den beiden eine private Beziehung bestanden, einschließlich „intimer und höchstpersönlicher Nachrichten“. Ab 2021 sei diese Beziehung merklich abgekühlt. Kurze Zeit später habe sich die Frau zurückgezogen und Weißmann dies in Nachrichten und Telefonaten mitgeteilt.
„Diese wurden offenbar, und jedenfalls ohne seine Zustimmung, mitgeschnitten.“ Am Silvestertag 2022 sei es „zu einem freundschaftlichen Laufausflug“ gekommen. Im Sommer 2023 habe die Mitarbeiterin Weißmann in ihr neu gebautes Haus eingeladen.
„Es gab einen gemeinsamen Laufausflug und sie teilte ihm danach mit, dass sie nunmehr zwar geschieden sei, aber einen neuen Lebensgefährten habe.“ Seither habe es nur „noch oberflächlichen Kontakt“ gegeben.
Weißmanns Verteidigung
Sein Anwalt betont, Weißmann habe die Beziehung zu keinem Zeitpunkt mit seiner Funktion als Generaldirektor verknüpft. Scherbaum verweist zudem darauf, dass zwischen der Mitarbeiterin und einem hochrangigen ORF-Mitarbeiter „ein besonderes Naheverhältnis“ bestehen soll.
Bei diesem Mitarbeiter – gemeint dürfte Pius Strobl sein – handle es sich um eine Person, die Pensionsansprüche geltend mache, die Weißmann abgelehnt hatte.