Apple und Google – Rivalen, die nun gemeinsame Sache machen. Was das für Siri, Datenschutz und Millionen Nutzer bedeutet, ist brisant.
Apple hat eine neue, mit Künstlicher Intelligenz ausgestattete Version seines Sprachassistenten Siri vorgestellt – entwickelt in enger Kooperation mit Google. Der Konzern aus Cupertino stand in den vergangenen Jahren wiederholt in der Kritik, im KI-Bereich gegenüber der Konkurrenz deutlich zurückzuliegen. Bereits 2024 hatte Apple einen grundlegend erneuerten Sprachassistenten in Aussicht gestellt, der mit etablierten Chatbots wie ChatGPT und Claude auf Augenhöhe agieren sollte – und auch gegenüber Googles Android-Assistenten bestehen können sollte.
Doch die Umsetzung gelang nicht aus eigener Kraft: Während Google, OpenAI und Anthropic auf umfangreiche Ressourcen und eine leistungsfähige KI-Infrastruktur zurückgreifen konnten, blieb Apple in dieser Hinsicht auf externe Unterstützung angewiesen. Ende 2025 räumte der Konzern schließlich ein, dass die geplanten KI-Erweiterungen für Siri erheblich mehr Zeit in Anspruch nehmen würden als ursprünglich vorgesehen – der Launch wurde auf 2026 verschoben.
Siri AI vorgestellt
Am Montag stellte der scheidende Apple-Chef Tim Cook im Rahmen der jährlichen Worldwide Developers Conference (WWDC) die Ergebnisse dieses mehrjährigen Entwicklungsprozesses vor. Die neue Version trägt den Namen Siri AI und ist in der Lage, verschiedene Apple-Apps zu steuern und zu durchsuchen. In der Präsentation demonstrierte man dies anhand einer Konzertanfrage: Siri AI lieferte nicht nur die Auskunft, dass Tickets verlost würden, sondern trug eine entsprechende Erinnerung direkt in den Kalender ein. Vollständig neu sind diese Funktionen allerdings nicht – ähnliche Möglichkeiten bieten auch Produkte der Konkurrenz bereits seit Längerem.
Für Gesprächsstoff dürfte vor allem der Umstand sorgen, dass Apple die neuen KI-Funktionen nicht im Alleingang realisiert hat, sondern dabei auf Google angewiesen war – und dem direkten Konkurrenten dafür in den kommenden Jahren erhebliche Summen zahlen wird. Über eine mögliche Zusammenarbeit war im Vorfeld bereits viel spekuliert worden; bestätigt ist nun, dass Googles KI-Sprachmodell Gemini das technologische Fundament von Siri AI bildet. Mehrere übereinstimmende Berichte geben an, dass Apple für die Nutzung von Googles Gemini-KI im Rahmen der mehrjährigen Partnerschaft rund eine Milliarde US-Dollar pro Jahr an Google zahlt. Bei der Präsentation betonte Apple, den Datenschutz weiterhin als oberste Priorität zu behandeln. Die Kooperation mit Google ändere daran nichts: Die KI-Modelle verarbeiteten Daten in einer abgeschotteten Umgebung, auf die weder Google noch Apple selbst Zugriff hätten, so die Versicherung des Unternehmens.
EU bleibt außen vor
Gleichzeitig gibt es einen wesentlichen Wermutstropfen: In der Europäischen Union wird Siri AI vorerst nicht zur Verfügung stehen. Apples Softwarechef Craig Federighi erklärte bei der Vorstellung, man sei „tief enttäuscht“, dass „unsere User in der EU“ keinen Zugang zu Siri AI erhalten würden. Die Verantwortung dafür ortete er offenbar in Brüssel – konkret in der „Weigerung, konstruktiv an Lösungen zum Schutz der Privatsphäre und Sicherheit“ zu arbeiten, wie Federighi formulierte. Die strengen digitalen Regulierungen der EU zielen darauf ab, die Marktmacht von Technologiekonzernen wie Apple und Google zu begrenzen.
Für Apples Investoren signalisiert die Ankündigung, dass der Konzern im Bereich der KI-Assistenten wieder wettbewerbsfähig ist. Apple hat über Jahre hinweg damit geworben, die Privatsphäre seiner Kundinnen und Kunden konsequenter zu schützen als die Konkurrenz – die Zusammenarbeit mit Google wird in diesem Zusammenhang unweigerlich Kritik auf sich ziehen.
Ein historischer Bogen schließt sich dabei auf bemerkenswerte Weise: Der Start des ursprünglichen Siri im Jahr 2011 ging nahezu unter, weil Apple-Gründer Steve Jobs einen Tag nach der Veröffentlichung verstarb. Mit der grundlegend erneuerten Version endet nun auch die Ära seines Nachfolgers. Cooks Auftritt am Montag war aller Voraussicht nach sein letzter als Apple-Chef bei einem derartigen Großevent. „Ein paar meiner größten Highlights als Firmenchef waren Events wie diese“, sagte Cook, der sich sichtlich bewegt zeigte.
Ab September übernimmt John Ternus die Führung des Unternehmens – er wird im Herbst dann wohl das jährliche neue iPhone präsentieren.