Ein Jahrhundertprojekt nimmt Fahrt auf: Die Herzegowina rückt dem europäischen Verkehrsnetz Stück für Stück näher.
Das öffentliche Unternehmen „Autoceste FBiH“ hat einen umfassenden Überblick über den aktuellen Stand eines der bedeutendsten Infrastrukturvorhaben in der Herzegowina veröffentlicht: die geplante Schnellstraße auf der Strecke Mostar-Nord – Polog – Siroki Brijeg – Grude bis zur kroatischen Grenze. Das Projekt soll die Herzegowina besser an den Korridor 5c sowie an die kroatischen Grenzübergänge und das europäische Verkehrsnetz anbinden. Darüber hinaus werden von dem Vorhaben eine spürbare Verbesserung der Verkehrssicherheit, eine Entlastung bestehender Hauptverkehrsrouten und günstigere Rahmenbedingungen für Wirtschaft, Tourismus und die Mobilität der Bevölkerung erwartet.
Die strategische Relevanz der Strecke ist bereits in der Transportstrategie der Föderation Bosnien und Herzegowina für den Zeitraum 2016 bis 2030 verankert. Darin ist der Bau einer rund 61 Kilometer langen Schnellstraße zwischen Mostar, Siroki Brijeg, Grude und der kroatischen Grenze vorgesehen. Als verantwortliche Stellen wurden das Föderale Verkehrs- und Kommunikationsministerium sowie „Autoceste FBiH“ festgelegt; als Finanzierungsmodelle kommen Kreditvereinbarungen und Konzessionslösungen in Betracht.
Zusätzliches Gewicht erhält das Projekt durch seine Aufnahme in das Erweiterungsdokument des Transeuropäischen Verkehrsnetzes TEN-T für die Länder des westlichen Balkans. Die Verkehrsgemeinschaft hat im Mai 2025 den Bericht „Development of Indicative TEN-T Extension of the Trans-European Transport Network in the Western Balkans“ veröffentlicht, in dem die Strecke Mostar – Vinjani als internationale Straßenverbindung mit einer Länge von rund 53,8 Kilometern ausgewiesen ist. Sie verbindet Mostar mit dem Grenzübergang Vinjani und schließt damit an das kroatische Straßennetz an.
Nördlicher Abschnitt
Der nördliche Abschnitt zwischen Mostar-Nord und Polog – rund 20,3 Kilometer lang – befindet sich derzeit in der Vorprojektphase. Eine Trassenvorplanung samt Vorstudie zur Durchführbarkeit liegt bereits vor; auf deren Grundlage wurde 2019 auch eine vorläufige Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeführt, die demografische Auswirkungen im Trassenbereich einschloss. Die damals ermittelten Baukosten für diesen Abschnitt beliefen sich auf rund 461,9 Millionen Konvertible Mark netto.
Der Vertrag zur Erstellung des Vorprojekts wurde am 24. April 2023 mit einem Konsortium aus IPSA Institut d.o.o. Sarajevo und IGH d.o.o. Mostar abgeschlossen. Er umfasst neben dem Vorprojekt selbst auch Machbarkeits- und Verkehrsstudie, Umweltverträglichkeitsstudie, das Elaborat zur städtebaulichen Genehmigung sowie die Durchführung von Erkundungsarbeiten. Der Vertragswert beträgt rund 1,49 Millionen Konvertible Mark netto; die Finanzierung erfolgt über das föderale Programm für Kapitaltransfers an öffentliche Unternehmen im Bereich Straßeninfrastruktur.
Im Zuge der Vertragsdurchführung wurden vier Nachträge vereinbart: der erste am 15. Jänner 2024, der zweite am 30. August 2024, der dritte am 13. November 2025 und der vierte am 17. März 2026. Hintergrund waren die notwendige Aktualisierung der Schutzgutachten für die Wasserquellen Radobolja und Studenac, die damit verbundenen Fristverlängerungen sowie die Einholung einer Stellungnahme der Stadt Mostar zur Trassenführung. Die Schutzgutachten wurden an die geltende Verordnung über Sanitärschutzzonen für öffentliche Wasserversorgungsquellen aus dem Jahr 2012 angepasst.
Parallel dazu laufen Erkundungsarbeiten, die für die Festlegung technischer Lösungen und der endgültigen Trassenführung erforderlich sind. Nach Abschluss der Umweltverträglichkeitsstudie ist eine öffentliche Anhörung nach den einschlägigen Umweltschutzvorschriften vorgesehen. Enteignungsverfahren wurden für diesen Abschnitt noch nicht eingeleitet, da das entsprechende Gutachten noch im Rahmen des laufenden Vertrags erarbeitet wird.
Südlicher Abschnitt
Anders stellt sich die Lage beim südlichen Abschnitt zwischen Polog und der kroatischen Grenze dar: Hier laufen bereits die Bauarbeiten an den ersten Sektionen. Vor- und Hauptprojekt sind fertiggestellt, städtebauliche Genehmigung und grundsätzliche Baugenehmigung wurden erteilt, und das Projekt ist mit der Raumplanungsdokumentation abgestimmt. Die Planungsleistungen wurden am 25. Juni 2020 an ein Konsortium aus Institut IGH d.d. Zagreb, IGH d.o.o. Mostar, „Integra“ d.o.o. Mostar und „Geocon“ d.o.o. Citluk vergeben; der Vertragswert betrug rund 7,77 Millionen Konvertible Mark netto, finanziert aus Eigenmitteln von „Autoceste FBiH“.
Am 2. Juni 2022 stellte die Regierung der Föderation Bosnien und Herzegowina das öffentliche Interesse am Bau dieses Abschnitts fest und schuf damit die rechtliche Grundlage für Grundstücksenteignungen und die weitere Projektabwicklung. Für die Sektionen Podledinac – Grude-Ost und Polugrno – Podledinac wurden die Bauaufträge bereits erteilt; die verbleibenden fünf Sektionen befinden sich noch im Enteignungsverfahren. Die Gesamtbaukosten für den Abschnitt Polog – kroatische Grenze werden laut Hauptprojekt auf rund 476 Millionen Konvertible Mark netto veranschlagt.
Im Oktober 2025 wurden Verträge für die beiden beauftragten Sektionen im Gesamtwert von rund 106,4 Millionen Konvertible Mark netto abgeschlossen, finanziert aus dem Budget der Föderation Bosnien und Herzegowina.