Zwei Krankenhäuser, keine Hilfe – ein Fall aus Linz entfacht eine Debatte über Lücken in der Versorgung von Gewaltopfern.
Ein aktueller Vorfall in Linz rückt die Frage in den Mittelpunkt, wie gut Gewaltopfer in der oberösterreichischen Landeshauptstadt versorgt werden.
Eine Frau, die mutmaßlich Opfer einer Vergewaltigung wurde, suchte in Linz medizinische Hilfe – und wurde zunächst von zwei Krankenhäusern abgewiesen. Erst im Kepler Uniklinikum erhielt sie die notwendige Behandlung. Der Vorfall lenkt die Aufmerksamkeit auf die erst zu Jahresbeginn eröffnete Gewaltambulanz in Linz, die bislang nur zu eingeschränkten Zeiten erreichbar ist.
Eingeschränkte Öffnungszeiten
Die Ambulanz steht Betroffenen derzeit ausschließlich montags, dienstags, donnerstags und freitags zwischen 7 und 15 Uhr offen. Angesichts dieser begrenzten Verfügbarkeit wächst der öffentliche Druck: Das „Bündnis 8. März“ kündigt eine Kundgebung an, bei der eine Rund-um-die-Uhr-Versorgung gefordert werden soll. In sozialen Netzwerken macht die Kampagne mit den Worten Schlagzeilen: „Gewalt hält sich nicht an Öffnungszeiten. Wir fordern: 24/7. Ein fixer Ort. Für alle.“
Forensische Spurensicherung
KUK-Geschäftsführer Meinhard Lukas erklärt, dass der Kernauftrag der Gewaltambulanz in der forensischen Spurensicherung liege – ein zentrales Element für staatsanwaltliche Ermittlungen. Außerhalb der regulären Ambulanzzeiten übernehmen Fachabteilungen des Kepler Uniklinikums diese Aufgabe, sodass die medizinische Versorgung von Gewaltopfern grundsätzlich zu jeder Tages- und Nachtzeit gewährleistet sei.
Da am Kepler Uniklinikum keine gerichtsmedizinische Abteilung existiert, wurde ein externer Forensiker beigezogen. Zudem wurden für sämtliche Krankenhäuser in Oberösterreich eigens zusammengestellte Spurensicherungsboxen bereitgestellt.