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Klimadebatte

Arktiseis wächst, Korallen erholen sich – Wie passt das zur Klimakrise?

Arktiseis wächst, Korallen erholen sich – Wie passt das zur Klimakrise?
Foto: iStock
3 Min. Lesezeit |

Positive Nachrichten aus der Arktis und vom Great Barrier Reef werfen Fragen zur Klimadebatte auf. Die aktuellen Messungen zeigen allerdings: Regionale Verbesserungen und unzutreffende Einzelprognosen widerlegen die globale Erwärmung nicht.

Wurde beim Klimawandel zu früh Alarm geschlagen? Wer diese Frage beantworten will, muss zwischen Messdaten, konkreten Vorhersagen und zugespitzten Schlagzeilen unterscheiden. Nicht jede frühere Zeitprognose traf ein. Gleichzeitig bleibt die langfristige Erwärmung der Erde klar belegt.

Regionale Erholungen

Das US-amerikanische National Snow and Ice Data Center meldete am 7. Oktober 2026, dass sich das arktische Meereis nach seinem Sommerminimum am 12. September rasch wieder ausdehnte. Ein relativ kühler, bewölkter und stürmischer Sommer über dem Arktischen Ozean hatte die Schmelze gebremst. Das erneute Zufrieren im Herbst gehört allerdings zum jährlichen Wechsel von Schmelze und Eiswachstum.

Darüber hinaus gibt es eine längerfristige Besonderheit: Laut dem britischen Met Office vom 14. Oktober 2026 hat der Rückgang der September-Eisausdehnung seit ungefähr 2007 weitgehend pausiert. Die Werte liegen dennoch deutlich unter dem Niveau vor 2007. Eine Erholung auf frühere Größenordnungen ist damit nicht belegt. Für die Wintermonate Dezember bis April zeigt der Bericht über die vergangenen rund 20 Jahre weiterhin einen statistisch signifikanten Rückgang.

Auch am Great Barrier Reef gibt es positive Entwicklungen. Der Jahresbericht des Australian Institute of Marine Science vom 11. August 2026 beruht auf Untersuchungen an 121 Riffen zwischen August 2025 und Juni 2026. Im Norden stieg der Anteil des untersuchten Meeresbodens mit lebenden Hartkorallen von 30 auf 35,1 Prozent. Im Zentrum nahm er von 28,6 auf 31,6 Prozent zu, wobei diese Veränderung innerhalb der statistischen Unsicherheit liegt. Der Süden blieb mit 26,4 statt 26,9 Prozent weitgehend stabil.

Eine teilweise Erholung ist somit bestätigt. Sie bedeutet jedoch keine Entwarnung für das gesamte Ökosystem: Die Korallenbedeckung allein beschreibt nicht die Artenvielfalt. Außerdem fanden viele Untersuchungen vor dem Durchzug von Zyklon Narelle statt, dessen Auswirkungen noch nicht vollständig erfasst sind.

Ein anderes Bild zeigen die Schweizer Gletscher. Das Gletschermessnetz GLAMOS und die Schweizer Akademie der Naturwissenschaften berichteten am 1. Oktober 2026 von einem Verlust von mehr als fünf Prozent des Eisvolumens im Messjahr 2026. Innerhalb von fünf Jahren ging fast ein Fünftel des Schweizer Gletschervolumens verloren. Frischer Schnee auf einem Gipfel ist deshalb noch kein Beleg für einen wachsenden Gletscher.

Prognosen & Befunde

Kritik an einzelnen früheren Vorhersagen ist dennoch berechtigt. Eine im August 2025 veröffentlichte Studie in „Geophysical Research Letters“ verweist auf Prognosen eines ersten eisfreien arktischen Sommers bereits vor 2020. Die Autoren bewerten diese rückblickend als zu alarmistisch. Zugleich erklären sie, dass natürliche Klimaschwankungen den langfristigen Eisverlust zeitweise ausgleichen können. Solche Pausen kommen auch in Klimamodellen vor.

„Eisfrei“ bedeutet dabei nicht, dass jedes Stück Meereis verschwunden ist. In der Forschung gilt der Arktische Ozean üblicherweise als praktisch eisfrei, wenn seine Meereisausdehnung unter eine Million Quadratkilometer fällt. Das NSIDC erläutert diese Definition ausdrücklich.

Für die globale Entwicklung liefert die Weltorganisation für Meteorologie in ihrem Bericht vom 23. März 2026 ein klares Bild: Die Jahre 2015 bis 2025 waren die elf wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen. Das abgeschlossene Jahr 2025 lag rund 1,43 Grad über dem Mittel von 1850 bis 1900 und gehörte zu den drei wärmsten Jahren.

Der Weltklimarat IPCC führt die globale Erwärmung eindeutig auf menschliche Aktivitäten zurück, vor allem auf Treibhausgasemissionen. Positive Entwicklungen bei Eis und Korallen gehören zur vollständigen Berichterstattung. Eine Umkehr des globalen Erwärmungstrends belegen sie nicht. Ob einzelne Warnungen angemessen formuliert waren, muss anhand ihrer konkreten Aussagen, Zeiträume und Annahmen geprüft werden.

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KO KOSMO-Redaktion
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