Die Chancen auf einen milden Winter steigen – doch beim Schnee warnen Meteorologen vor voreiligen Prognosen: Im Alpenraum kann es ganz anders kommen.
Die aktuellen Saisonmodelle für den Winter 2026/27 zeigen für weite Teile Europas eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für überdurchschnittliche Temperaturen. Wie viel Schnee Österreich tatsächlich bekommt, lässt sich daraus allerdings nicht seriös ableiten. Die jüngste Saisonprognose des europäischen Copernicus Climate Change Service sieht für große Teile Europas neben höheren Temperaturen sogar erhöhte Chancen auf überdurchschnittliche Niederschlagsmengen. Ob dieser Niederschlag in Österreich als Regen oder Schnee fällt und welche Regionen davon betroffen sind, können solche Langfristmodelle Monate im Voraus nicht zuverlässig beantworten.
Grenzen der Prognosen
Meteorologe Gerhard Hohenwarter von GeoSphere Austria warnt davor, aus solchen Langfristmodellen konkrete Prognosen für einzelne Regionen abzuleiten. „Aus so groben globalen Modellen kann man da eigentlich nicht viel herausholen“, erklärt er. Gerade im Alpenraum können schon kleinräumige Unterschiede und unterschiedliche Wetterlagen darüber entscheiden, ob Niederschlag als Regen oder Schnee fällt. Noch deutlicher äußerte sich ORF-Meteorologe Marcus Wadsak zu langfristigen Winterprognosen: „Wie der Winter wird, wissen wir einfach nicht.“ Hoch- und Tiefdruckgebiete sowie Wetterfronten, die den europäischen Winter maßgeblich bestimmen, lassen sich Monate im Voraus nicht konkret vorhersagen.
Ein zusätzlicher Faktor in den weltweiten Saisonprognosen ist derzeit ein ungewöhnlich kräftiger El Niño. Dabei erwärmt sich das Oberflächenwasser im zentralen und östlichen tropischen Pazifik ungewöhnlich stark und verändert großräumige Zirkulations- und Niederschlagsmuster. Nach Angaben der US-Klimabehörde NOAA hat sich El Niño zuletzt weiter verstärkt; ein starkes bis sehr starkes Ereignis gilt bis Anfang 2027 als wahrscheinlich.
Für Österreich bedeutet das allerdings keineswegs automatisch einen milden oder schneearmen Winter. GeoSphere Austria bezeichnet El Niño für Österreich und den Alpenraum ausdrücklich nicht als „Hauptregler“ des Wetters. Atlantisch-europäische Strömungen, Hoch- und Tiefdruckgebiete sowie regionale Wetterlagen sind für den tatsächlichen Winterverlauf wesentlich entscheidender. Auch Hohenwarter betont, dass es in Österreich bereits schneereiche wie schneearme El-Niño-Winter gegeben habe.
El Niños Einfluss
Wie viel Schnee kommt?
Beim Niederschlag ist die Lage noch unsicherer als bei den Temperaturen. Ein belastbares Signal für einen generell trockenen oder schneearmen Winter in Österreich gibt es derzeit nicht. Einzelne Modelle zeigen regional unterschiedliche Entwicklungen, während die aktuelle Copernicus-Saisonprognose für große Teile Europas sogar erhöhte Chancen auf überdurchschnittlichen Niederschlag sieht. Entscheidend für Österreich wird jedoch sein, wann und bei welchen Temperaturen dieser Niederschlag fällt.
Auch El Niño liefert darauf keine eindeutige Antwort. Hohenwarter verweist darauf, dass Österreich in der Vergangenheit sowohl schneereiche als auch schneearme El-Niño-Winter erlebt hat. Ein starker El Niño allein erlaubt daher keine seriöse Vorhersage darüber, wie viel Schnee Österreich im Winter 2026/27 bekommen wird.
Ob sich die derzeitigen Trends tatsächlich bestätigen, bleibt damit offen. Saisonprognosen zeigen Wahrscheinlichkeiten und keine konkrete Wettervorhersage für einzelne Wochen oder Regionen. Hohenwarter weist zudem darauf hin, wie schnell sich die Berechnungen noch verändern können: „Nächsten Monat kann das schon wieder ganz anders ausschauen!“
Für Tourismusbetriebe, Wintersportregionen und Saisonbeschäftigte bedeutet das vor allem eines: Die derzeitigen Langfristmodelle eignen sich als grobe Orientierung, nicht aber als konkrete Schneeprognose. Ob und wann Österreich größere Schneemengen bekommt, wird sich erst mit deutlich kurzfristigeren Wetterprognosen zuverlässig abschätzen lassen.