Staatsbürgerschaft weg – und dann? Karin Kneissl hat ihre Antwort darauf bereits parat.
Karin Kneissl, die von der FPÖ nominierte Außenministerin der Jahre 2017 bis 2019, begegnet der Möglichkeit einer Aberkennung ihrer österreichischen Staatsbürgerschaft mit demonstrativer Gelassenheit. Seit rund zwei Jahren lebt sie in Russland.
Im Gespräch mit der staatlichen russischen Nachrichtenagentur RIA Nowosti ließ Kneissl wissen, dass sie sich mit dem Gedanken einer möglichen Ausbürgerung bereits arrangiert habe. „Wenn man mich zu einer staatenlosen Person machen will, dann soll es so sein“, erklärte sie. Den Anstoß für ein entsprechendes Verfahren gaben die NEOS, die sich auf jene Bestimmung im österreichischen Staatsbürgerschaftsrecht berufen, die eine Aberkennung bei erheblicher Schädigung nationaler Interessen vorsieht.
Kneissl in Russland
Kneissl war 2017 auf Vorschlag der FPÖ als parteifreie Außenministerin in die Bundesregierung eingetreten und übte dieses Amt bis 2019 aus. Nach ihrem Ausscheiden verließ sie Österreich – nach eigenen Angaben infolge von Morddrohungen und fehlenden beruflichen Perspektiven. Heute leitet sie in Russland das sogenannte Gorki-Zentrum. Internationale Aufmerksamkeit hatte sie bereits 2018 erregt, als sie den russischen Präsidenten Wladimir Putin zu ihrer Hochzeit einlud.
Ihren Lebensmittelpunkt hat Kneissl inzwischen in der Oblast Rjasan gefunden, die sie als „das Zentrum meines Lebens“ bezeichnet. Eine russische Staatsbürgerschaft kommt für sie nach eigenen Worten nicht infrage: „Glauben Sie wirklich, dass ich in diesem Alter plötzlich Russin werde? Nein.“ Das Leben auf dem Land ist für sie dennoch nicht ohne Reibung – die lokale Bevölkerung begegne ihr mit einer gewissen Zurückhaltung und betrachte sie, wie sie selbst sagt, als „Geldautomaten“.